Kirchen diskutieren über zivile Krisenprävention

  • Berlin - 15.07.2014

Mehr internationale Verantwortung. Deutschland als Vorreiter in ziviler Krisenprävention und Konfliktbearbeitung?“ – dies war das Thema des 28. Donnerstags-Gesprächs der Kirchen, zu dem die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) Anfang Juli in Berlin eingeladen hatte.

Im Mittelpunkt der Gesprächsrunde stand die öffentlich intensiv und kontrovers geführte Debatte darüber, welche Rolle Deutschland bei der internationalen Friedenssicherung spielen sollte. Für einen Vorrang des Zivilen plädierte in seiner Begrüßungsrede Prälat Martin Dutzmann, evangelischer Vorsitzender der GKKE. Deutschland solle zwar mehr internationale Verantwortung übernehmen, dabei müssten aber Investitionen in zivile Krisenpräventionen und Konfliktberatung stets den Vorrang haben. Dies sei laut Dutzmann der Tenor beider Kirchen.

In seinem Impulsvortrag schilderte Desire Nzisabira, Koordinator des Zivilen Friedensdienstes der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) in Uganda, die verheerenden Auswirkungen der Gewalt, die die „Lord’s Resistance Army“ (LRA) in seiner Heimat verübe. Auch wenn zwischen Deutschland und Uganda große Distanzen lägen, sei es aus mitmenschlicher Verantwortung Pflicht, sich hier einzumischen und Unrecht nicht stillschweigend zu dulden. Der Bedarf an ziviler Krisenprävention sei enorm, unterstrich Nzisabira. Er betonte in diesem Zusammenhang die wichtige Rolle der ökumenischen und interreligiösen Zusammenarbeit, die in Norduganda bis heute gehalten habe.

Professor Schetter, Direktor des Bonn International Center for Conversion (BICC), übte Kritik an der Verwendung des Krisen-Begriffs. Dieser suggeriere einen Zustand, der überwunden werden kann, und sei zu harmlos für viele humanitäre Katastrophen dieser Tage.

Fortschritte des Friedens- und Stabilitätsinstrumentes der EU

Franziska Brantner, Vorsitzende des Unterausschusses „Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln“, stellte die Fortschritte des Friedens- und Stabilitätsinstrumentes der EU heraus. Diese zeigten sich beispielsweise im Jemen, wo die EU zur Stabilisierung des Landes beitragen konnte. Bedauerlicherweise würden diese Fortschritte in der Öffentlichkeit kaum als Erfolg wahrgenommen. Ähnlich äußerte sich auch Rolf Horlemann, Referatsleiter Krisenprävention und Friedenskonsolidierung im Auswärtigen Amt in Berlin, mit Blick auf die zivile Krisenprävention. Wenn diese gelänge, erfahre es niemand, wenn sie scheitere, sei die Krise da.

Einen allgemeinen Konsens fand in der Diskussion die Bedeutung von Frühwarnsystemen. Derzeit fehle es jedoch an gezielter Auswertung und der Bereitschaft, abgestimmt und konzertiert zu agieren. Auf Herausforderungen wie den aktuellen Vormarsch der ISIS im Irak gebe es bisher noch keine Antworten. Um die Wirkungen einer Friedenskonsolidierung mithilfe von Kategorien wie „Legitimation“ oder „Vertrauensbildung“ zu messen, wurde ein sogenannter „Peace Contribution Index“ vorgeschlagen. Die Teilnehmenden bewerteten dieses Instrument als aussichtsreich. (ssch/lek)

PDF: Einladung zum 28. Donnerstagsgespräch der Kirchen

PDF: Begrüßungsrede Prälat Martin Dutzmann

Die GKKE

wurde 1973 als ökumenischer Arbeitsverbund zur Entwicklungspolitik gegründet. Sie steht im Gespräch mit politischen Institutionen und gesellschaftlichen Interessengruppen. Getragen wird die Konferenz von der katholischen Menschenrechts- und Entwicklungskommission Justitia et Pax und von Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst.

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