Bischöfe kritisieren Debatte über Armutszuwanderung

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  • Bonn - 05.06.2014

Die katholischen Bischöfe in Deutschland kritisieren die seit Jahresbeginn laufende Debatte über die sogenannte Armutszuwanderung aus Südosteuropa. „Anders als einige Diskussionsbeiträge auch hochrangiger Vertreter von Politik und Verwaltung suggerieren, deuten bisherige Erkenntnisse darauf hin, dass auch Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien insgesamt zu den deutschen Sozialsystemen positiv beitragen“, heißt es in einem am Donnerstag von der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn veröffentlichten Papier .

Der Kommissionsvorsitzende, der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle, sagte zu den Zielen des Schreibens: „Wir wollen zu einer sachlichen Diskussion beitragen, indem wir die ohne Zweifel vorhandenen Probleme ebenso benennen und ernst nehmen wie die Nöte der Migranten.“ Den Traum von einer besseren Zukunft nannte Trelle verständlich und legitim. „Wir sollten uns daran erinnern, dass auch Millionen Deutsche auf der Suche nach neuen Lebenschancen nach Ost- und Südosteuropa und später nach Amerika und Australien ausgewandert sind.“

Für Bulgaren und Rumänen gilt seit dem 1. Januar die freie Arbeitswahl in den EU-Mitgliedstaaten. Einige Stimmen, darunter die CSU, fürchten einen vermehrten Zuzug sozial Schwacher, darunter Sinti und Roma. Die Bundesregierung richtete daraufhin einen Staatssekretärsausschuss ein, der klären soll, ob gesetzgeberische Maßnahmen nötig sind, um einen möglichen Missbrauch von Sozialleistungen zu unterbinden. Das Gremium will in diesem Monat seinen Abschlussbericht vorlegen.

Appell gegen Ressentiments und Vorurteile

In ihrem Positionspapier betonen die deutschen Bischöfe, die Freizügigkeit, also die freie Wahl von Wohn- und Arbeitsort, sei ein „Kernelement der europäischen Einigung“. Diese dürfe nicht leichtfertig in Frage gestellt werden. Wer die Debatte auf die zuwandernden Roma verenge, laufe zudem Gefahr, „die zweifellos existierenden Problemfälle pauschal auf alle Angehörigen dieser Gruppe zu übertragen und negative Stereotypen zu befördern“. Die Bischöfe rufen speziell Kirchengemeinden dazu auf, Ressentiments und Vorurteile gegenüber dieser Gruppe zu überwinden.

Zugleich räumen die Autoren des Papiers ein, dass es in Großstädten Probleme gebe, weil beispielsweise Roma-Großfamilien in heruntergekommenen Häusern untergebracht würden. „Die Gemengelage ist für alle Betroffenen bedrängend und teilweise unerträglich.“ Es gelte, die betroffenen Kommunen verstärkt zu unterstützen, aber auch Schulen dabei zu helfen, „immer wieder neu zuziehende Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse in den Unterricht zu integrieren“. Im kirchlichen Bereich setzen die Bischöfe unter anderem auf eine verstärkte Vernetzung zwischen Ehrenamtlichen und Fachkräften wie der Caritas. Zu vielen Sinti und Roma habe die katholische Kirche allerdings nur „sporadischen Kontakt“. Dies liege auch daran, dass es nicht in jedem Bistum einen eigenen Seelsorger für diese Gruppe gebe.

Weitere Informationen finden Sie auf der DBK-Webseite www.dbk.de .

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