Alles für die Tonne?

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  • Bonn - 04.06.2014

Jedes Jahr ein neues Smartphone“: Mit diesem Slogan wirbt das Unternehmen Vodafone derzeit deutschlandweit um die Gunst der Kunden. Ein unmoralisches Angebot, wie Umweltschützer und Entwicklungshelfer finden. Denn ein Handy besteht aus bis zu 60 verschiedenen Stoffen, darunter rund 30 Metalle. Und die werden vielfach in den armen Ländern des Südens abgebaut. Vor dem Umwelttag, der am Donnerstag rund um den Globus begangen wird, machen Kritiker deswegen mobil gegen den Mobilfunkanbieter.

„Der Slogan suggeriert, dass ein Smartphone bereits nach einem Jahr veraltet ist und ersetzt werden sollte“, sagt die zuständige Expertin von Germanwatch, Cornelia Heydenreich. „Umweltaspekte bleiben vollkommen außer Acht.“ Ähnlich formuliert es Friedel Hütz-Adams von Südwind. Das Institut in Troisdorf bei Bonn untersucht immer wieder die Folgen des Rohstoffabbaus in den Entwicklungsländern. Und da gibt es regelmäßig schlechte Noten für die Produktion von Smartphones und Handys.

Verseuchte Böden, Wasserverschmutzung, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen

Laut Germanwatch finden sich in jedem Apparat durchschnittlich 24 Milligramm Gold und neun Gramm Kupfer. Für die weltweite Jahresproduktion 2013 ergibt dies bei 1,8 Milliarden hergestellten Handys einen Verbrauch von 43,2 Tonnen Gold und 16.200 Tonnen Kupfer. Allein für das Gold in einem Handy entstünden mindestens 100 Kilogramm Bergbauabfall, der oft auf Ackerflächen abgelagert werde und Böden verseuche. Zusätzlich prangert die Organisation Wasserverschmutzung durch die Nutzung giftiger Substanzen sowie Wassermangel als Auswirkungen des Bergbaus an. In Peru habe das in den vergangenen zwei Jahren zu gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt.

Mit der Aktion „Saubere Handys“ macht auch Missio auf das blutige Geschäft mit dem seltenen Erz Coltan aufmerksam. KNA

Ungut klingt auch die Südwind-Analyse aus dem Kongo . Der Riesenstaat in Afrika wird seit Jahren von Unruhen und Kriegen erschüttert, gilt praktisch als unregierbar. Zugleich stammt von dort ein Drittel des in der Mobilfunkproduktion eingesetzten Tantals und die Hälfte der seltenen Kobalterze. Mit den Gewinnen sollen zahlreiche Rebellengruppen im Osten des Landes ihre Aktivitäten finanzieren. Hinzu kommen gravierende Umweltverschmutzung und verheerende Arbeitsbedingungen. Die Rohstoffe würden „buchstäblich mit Spaten und Hacken“ aus dem Erdreich hervorgeholt.

Vodafone weist Kritik zurück

Vodafone weist die Kritik von Germanwatch und Südwind zurück. Mit dem „NextPhone“-Angebot liefere man dem Kunden einen Anreiz, alte Smartphones nicht in die Mülltonne zu werfen, sondern einer Weiternutzung zuzuführen. „Denn ein neues Smartphone gibt es bei ‚NextPhone‘ jährlich nur im Tausch gegen das alte.“ Dieser Tausch greife außerdem nur dann, wenn das abgegebene Gerät wiederverwendet werden könne, so ein Sprecher. Vodafone setze mit dieser Option genau das um, was die Kritiker forderten. Statt unter Rohstoffverlust und viel Energieaufwand zu recyceln, kämen die aufbereiteten Mobiltelefone etwa bei Versicherungsfällen als Ersatz zum Einsatz oder würden über einen Dienstleister in Entwicklungsländern als Alternative zu teureren Neugeräten angeboten.

In den Schubladen deutscher Verbraucher allerdings lagern schon jetzt, so schätzt der Kommunikationsverband Bitkom, 105 Millionen alte Handys. Längst gibt es Initiativen, die sich um die Verwertung der ausrangierten Mobiltelefone kümmern, wie die von der Deutschen Umwelthilfe und der Telekom 2003 ins Leben gerufene Aktion Handys für die Umwelt . Angesichts von bislang 1,6 Millionen gesammelten Apparaten spricht man bei der Deutschen Umwelthilfe von einem großen Erfolg, sieht aber noch Luft nach oben.

Nach Ansicht von Südwind-Experte Hütz-Adams zeigen diese Zahlen aber auch: Der Markt in Deutschland ist gesättigt. Vodafone versuche lediglich, seinen Absatz zu steigern. Sinnvoller sei es, Mobiltelefone länger zu nutzen sowie die bereits vorhandenen Altgeräte zu sammeln und zu recyclen. Ein immer weiter fortschreitender Abbau von Rohstoffen ist laut Hütz-Adams bei weitem nicht das einzige Problem. Sorge bereitet dem Fachmann auch, unter welchen Bedingungen in Zulieferbetrieben die neuen Smartphones zusammengebaut werden.

Von Joachim Heinz

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Aktion „Saubere Handys“

Auch das Internationale Katholische Missionswerk Missio in Aachen macht auf das blutige Geschäft mit Mobiltelefonen aufmerksam. Mit der Aktion „Saubere Handys“ appelliert es an führende Mobilfunkunternehmen, bei der Handyherstellung kein illegales Coltan aus der Konfliktregion Kongo zu verwenden.

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