Beten für den Frieden

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  • Vatikanstadt - 02.06.2014

Israels Staatspräsident Schimon Peres und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kommen am 8. Juni zu einem Friedensgebet mit Papst Franziskus in den Vatikan. Rund sieben Wochen nach Abbruch der Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern kommt es damit zu einer beispiellosen geistlichen Geste zwischen den obersten Repräsentanten der beiden Konfliktparteien.

Die zeitliche Abfolge legt einen inhaltlichen Zusammenhang nahe. Doch der Papst legt Wert darauf, dass er gerade keine Politik machen will: „Dieses Treffen wird ein Gebetstreffen sein“, stellte er während des Rückflugs von Israel vergangene Woche klar. Es diene nicht „der Vermittlung oder dazu, Lösungen zu suchen“.

Wie darf man sich ein gemeinsames Gebet eines Juden, eines Muslims und des Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche im Vatikan vorstellen? Der Papst selbst hatte am vergangenen Montag lediglich angekündigt, dass auch ein Rabbiner und ein weiterer Muslim daran teilnähmen. Mit den Planungen hat er nach eigenen Angaben den Kustos für das Heilige Land, den Franziskaner Pierbattista Pizzaballa, betraut. Der genaue Ablauf der Begegnung bleibt bislang allerdings unklar.

Im vatikanischen Presseamt hieß es am Freitag, man werde in den kommenden Tagen Einzelheiten bekanntgeben. Vom Büro für die päpstlichen Liturgien war auf Anfrage ebenfalls nichts Konkretes zu erfahren. Im Vatikan ist nur vage von einer „angemessenen Form“ die Rede. Pizzaballa hatte am Mittwoch erklärt, dass man erst den Termin festlegen wolle, bevor man nun über Inhalte spreche.

Gemeinsames Gebet nicht unproblematisch

Dass gemeinsame Gebete von Angehörigen unterschiedlicher Religionen nicht unproblematisch sind, davon können dem Franziskaner Pizzaballa seine Ordensbrüder in Assisi ein Lied singen. Als Gastgeber des ersten von Johannes Paul II. einberufenen Weltgebetstreffens der Religionen in der mittelitalienischen Stadt 1986 wissen sie aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass gemeinsames Gebet nicht gleich gemeinsames Gebet ist.

Papst Franziskus mit Israels Staatspräsident Schimon Peres: Während seiner Reise ins Heilige Land hatte der Papst von Palästinensern und Israelis mehr „Mut zum Frieden“ gefordert. KNA

Nach Bildern von einer kreisenden Friedenspfeife im Kloster und ähnlichen Szenen wurde auch jenseits des traditionalistischen Milieus der Vorwurf einer unzulässigen Vermischung der Religionen laut. Daraufhin intervenierte der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger. Christen, Muslime, Juden und Angehörige anderer Religionen könnten zwar an einem Ort zum Gebet zusammenkommen. Das Gebet selbst müsse jedoch stets getrennt voneinander erfolgen. Bei den folgenden Treffen in Assisi wurde dies genau beachtet.

Andererseits scheint auch klar, dass das Bild von einem Peres, einem Abbas und einem Franziskus, die gleichzeitig an drei verschiedenen Orten des Apostolischen Palastes für sich allein beten, nur von eingeschränkter Symbolkraft wäre. Manches spricht deshalb dafür, dass es noch eine gemeinsame Geste unterhalb der Schwelle eines Gebets geben könnte.

„Mut zum Frieden“

Franziskus hatte in den vergangen Tagen während seiner Nahostreise von Palästinensern und Israelis mehr „Mut zum Frieden“ gefordert. Die Bemühungen um eine Lösung des Nahostkonflikts müssten „vervielfacht“ werden. Die Verantwortlichen der Völker stünden in der „Pflicht, sich zu Werkzeugen und Erbauern des Friedens zu machen, vor allem im Gebet“, sagte der Papst.

Um das Datum der Zusammenkunft hatte es zunächst Verwirrung gegeben. Der „Osservatore Romano“ berichtete am vergangenen Montagnachmittag, das Friedensgebet finde am 6. Juni statt, wohingegen der Papst wenig später sagte, es gebe noch keinen Termin. Ursprünglich sollte das Friedensgebet nach vatikanischen Angaben noch während der Nahostreise des Papstes stattfinden.

Was darf man sich von der Begegnung erhoffen? Manche Beobachter weisen darauf hin, dass Peres'' Ausscheiden aus dem Amt im Juli die Bedeutung der Zusammenkunft erheblich mindere. Der Papst will zumindest übertriebenen Erwartungen vorbeugen. „Wir werden uns lediglich zum Gebet zusammenfinden. Und dann wird jeder wieder nach Hause gehen“, sagte er am vergangenen Montag. Die Hoffnung will er sich aber nicht nehmen lassen. Er glaubt, dass es schon hilft, „zusammen ohne weitere Diskussionen zu beten“.

Von Thomas Jansen

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