Über den Tellerrand blicken

  • Regensburg - 29.05.2014

Christen und Christinnen dürfen nicht nur auf sich selbst schauen, sondern sollen auch den Nächsten im Blick haben. „Alle sind wir aufgefordert, diesen Ruf anzunehmen: hinauszugehen aus der eigenen Bequemlichkeit und den Mut zu haben, alle Randgebiete zu erreichen, die das Licht des Evangeliums brauchen.“ So lautet der Appell von Papst Franziskus in seinem Schreiben „Evangelii gaudium“ (Freude des Evangeliums).

Der Katholikentag in Regensburg lädt dazu ein, über den Tellerrand hinauszuschauen und in die Zukunft zu blicken. Christinnen und Christen sollen einen Beitrag für gerechte Wirtschaftsstrukturen, für die Bewahrung der Schöpfung, für die Verteilung von Ressourcen sowie für Gerechtigkeit und Frieden leisten.

Zentrum Globale Verantwortung auf dem Unigelände

Auf dem Universitätsgelände wurde dafür eigens ein Zentrum Globale Verantwortung und Europäische Nachbarschaft eingerichtet. Das dort präsentierte Programm haben die kirchlichen Hilfswerke, die Umweltbeauftragten der deutschen Diözesen und die Ackermann-Gemeinde in Zusammenarbeit mit ihren jeweiligen Partnern entwickelt.

Gleich am Donnerstag geht es um 14 Uhr los mit dem Thema „Atommüllendlagersuche“. Dazu haben sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und der frühere sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU), Vertreter der katholischen Kirche in der Endlagerkommission, angesagt. Zeitgleich diskutieren der Jesuit und Pastoraltheologe Michael Sievernich und Adveniat-Geschäftsführer Bernd Klaschka die „Theologie der Armen versus globale Gleichgültigkeit“.

Wie Christen Brücken bauen können für die Zukunft in Myanmar, erörtern am Freitag ab 11 Uhr unter anderen der Erzbischof Charles Bo von Yangon und Gerhard Will von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Ebenfalls um 11 Uhr geht es unter dem Leitwort „Unser tägliches Brot – frisch auf den Müll?“ um Lebensmittelverschwendung. Mit dabei sind Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke. Renovabis-Geschäftsführer Gerhard Albert, der Pilsener Bischof Frantisek Radkovsky sowie die Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance, Gesine Schwan, nehmen sich um 14 Uhr des Themas „Frei und solidarisch?“ an und sprechen über die Situation 25 Jahre nach der Wende im Osten Europas.

Zukunftsfähige Landwirtschaft und Naturschutz

Ob der Bauer noch zum Dorf gehört und wie zukunftsfähige Landwirtschaft in der Region aussehen könnte, debattieren am Freitag ab 16.30 Uhr unter anderen Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU), die Dorfhelferin Elisabeth Seitz, Junglandwirt Leonhard Haslberger und der Präsident des Bayerischen Bauernverbands, Walter Heidl.

Unter dem Motto „Kirche als Treiber öko-sozialen Wandels“ diskutiert der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, am Samstag ab 14 Uhr mit dem Münchner Sozialethiker Markus Vogt, dem Vorsitzenden des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, und Georg Stoll vom Projekt Entwicklung im Dienst des Weltgemeinwohls. Um 16.30 Uhr geht es am selben Tag um „Franziskus‘ Wunsch einer armen Kirche für die Armen“. Darüber reden Jesuitenpater Peter Balleis vom Jesuit Refugee Service, Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) und Menschenrechtsaktivist Yesumarian Lourdunathan aus Indien.

Zeitgleich tauschen sich der Präsident des Deutschen Sparkassenverbands, Georg Fahrenschon, und Missio-Aachen-Präsident Klaus Krämer sowie Brigitta Herrmann von der Cologne Business School in Köln darüber aus, welche Bildung eine globale Elite benötigt. Geboten werden zudem allein 13 Ausstellungen, etwa zu Themen wie „Geschichte der Schuldenkrise“, „Jugend in Brasilien – ein Blick hinter die WM-Fassade“, „Zeitzeugen der Wende. 25 Jahre – 25 Lebensbilder“ oder „Tragische Erinnerungsorte. Tschechische Schülerinnen und Schüler erkunden die Geschichte 1938-1945“.

© 99. Deutscher Katholikentag Regensburg 2014