Zwischen Krieg und Frieden

  • Bogota - 28.05.2014

Kolumbien hat die Wahl: Entweder die Rückkehr zur Politik der „demokratischen Sicherheit“. Oder die Fortsetzung der Friedensgespräche mit den FARC-Rebellen. Juan Manuel Santos Calderon (62), der amtierende Präsident, will die Fortsetzung des Dialogs mit der Guerilla. Sein Herausforderer Oscar Ivan Zuluaga Escobar (55) aus dem Lager des ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe will dies nicht. Die beiden Konkurrenten aus dem bürgerlichen Lager streiten sich in einer Stichwahl am 15. Juni um den Platz im Präsidentenpalast „Casa Narino“ in Bogota. Das ist das Ergebnis der ersten Runde am zurückliegenden Sonntag.

„Ernsthafter Wille“

Kolumbiens Kirche ist recht eindeutig positioniert. „Wir unterstützen den Frieden“, ließen die Bischöfe mitteilen. Auch der Hauptstadt-Erzbischof, Kardinal Ruben Salazar Gomez (71), spricht sich für eine Fortsetzung der Friedensgespräche zwischen Staat und der linksgerichteten FARC aus. „Beide Seiten haben einen ernsthaften Willen, die Verhandlungen zu einem guten Ende zu führen und das ist die wichtigste Voraussetzung“, sagte er jüngst im Gespräch mit der KNA.

Unmittelbar vor den Präsidentschaftswahlen am vergangenen Sonntag haben die Delegationen der Regierung und der Guerilla einen weiteren, wichtigen Teilerfolg bei den Verhandlungen in der kubanischen Hauptstadt Havanna erzielt. Es ist das vierte von insgesamt sechs Teilabkommen. Die schwersten Brocken seien ohnehin schon vom Tisch, hatte sich Kardinal Salazar optimistisch gezeigt. Diesmal ging es um den Drogenhandel: Herausgekommen ist ein Bekenntnis zur Bekämpfung des Drogenhandels und zu einem Verzicht der Campesinos, künftig Koka anzubauen.

„Zwei Löwen führen Krieg“

Präsident Santos hat die Wahl auch zu einer Abstimmung über die seit gut einem Jahr laufenden Friedensgespräche gemacht. „Wir werden zwischen der Angst und der Hoffnung auswählen“, sagte er am Sonntagabend. Zuluaga hingegen setzte seine Kritik am Dialog fort: „Der Frieden ja, aber zum Wohle des kolumbianischen Volkes.“

Skeptisch äußerten sich zuletzt die indigenen Verbände des südamerikanischen Landes. „Diese beiden Löwen führen Krieg und suchen nicht den Frieden. Um den Frieden zu erreichen, schlage ich als amazonischer Uitoto vor, dass inmitten dieser Löwen die indigenen Autoritäten sitzen“, zitieren die Medien den Sprecher, der zugleich kritisierte, dass die Verhandlungen in Havanna und nicht in Kolumbien inmitten des Volkes stattfinden. Er rief die Vermittler in Kuba auf, die territorialen Rechte der indigenen Völker zu respektieren.

Experten gehen davon aus, dass die in der ersten Runde unterlegenen Kandidaten des links-liberalen Spektrums für den 15. Juni eine Empfehlung für Santos abgeben. Marta Lucia Ramirez Blanco (59) die für die Konservative Partei Rang drei holte, äußerte sich zuletzt grundsätzlich positiv zu den Verhandlungen mit der FARC. Ihre Positionierung ist aber offen. Santos geht als leichter Favorit in die Stichwahl.

Von Tobias Käufer

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