Vereint unter Schirmen

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  • Regensburg - 28.05.2014

An Guad''n Mitanand: Von Kücheln und Vögerln über Zwirl und Reiberdatschi, dazu ein fein-herbes Katholikentagsbier. Eine kulinarische Reise durch regionale „Schmankerl“ hat zum Auftakt des 99. Katholikentags am Mittwochabend in Regensburg Christen aus Deutschland und Europa zusammengebracht. Zuvor war das Treffen mit einer Grußbotschaft von Papst Franziskus, Gesang und Gebet eröffnet worden. Bis Sonntag wollen hier rund 80.000 Christen Gottesdienste feiern, über ihren Glauben sprechen und über gesellschaftspolitische Themen wie Integration, die Schere zwischen Arm und Reich oder das Europa von morgen diskutieren.

Trotz nasskalter Witterung versammelten sich rund zehntausend Teilnehmer um den gotischen Dom, eines der Regensburger Wahrzeichen. Ausgerüstet mit Regenschirm, Regencape, Gummistiefeln und dem blauen Katholikentagsschal konnte das schlechte Wetter die Stimmung kaum trüben. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte sich vorsichtshalber mit hellgelbem Regencape, Schirm und Schal ausgestattet.

In Anspielung auf das Leitwort des Treffens „Mit Christus Brücken bauen“ rief Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), in seiner Begrüßung dazu auf, auch „im manchmal mühsamen Weg der Ökumene“ Brücken zu bauen. Das ZdK organisiert die Katholikentage.

Grußwort von Papst Franziskus

Papst Franziskus appellierte in seinem Grußwort an alle, vor allem „die Sorgen der Ränder“ nicht außer Acht zu lassen. Christen müssten Brücken der Beziehung errichten. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer begrüßte mit Blick auf Brücken ins Nachbarland die Christen auf Deutsch und Tschechisch. „Mit Christus Gräben überwinden, Mauern niederlegen und Brücken bauen“, sei Aufgabe des Christseins, so Voderholzer.

Bei der Eröffnung des 99. Katholikentags: Bundespräsident Gauck im Gespräch mit dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. KNA

Bundespräsident Joachim Gauck rief alle Christen dazu auf, mit vereinter Stimme zu sprechen. Die bestehenden „gut befestigten“ ökumenischen Brücken müssten weiter ausgebaut und gestärkt werden, betonte er in seiner Begrüßungsrede.

Nach den Eröffnungsworten und einem Segensgruß pilgerten die Teilnehmer zu verschiedenen Plätzen der Altstadt. Acht Regionen der Diözese, darunter der Oberpfälzer Wald, das Fichtelgebirge oder der Gäuboden, stellten sich dort am „Abend der Begegnung“ mit Musik, Speis und Trank vor. Die Idee zum Katholikentagsbier kommt von Messdienern, die deren aus Indien stammender Ortspfarrer sofort aufgegriffen hat.

Schnippeldisko

Teamarbeit war bei der „Schnippeldisko“ gefragt. Bei Musik wurde gemeinsam Gemüse geschnippelt, als Zeichen gegen Verschwendung, und als Vorbereitung für eine wärmende Gemüsesuppe für Teilnehmer in den kommenden Tagen.

Sie seien trotz Regen wirklich gespannt auf die kommenden Tage und ihren ersten Katholikentag, erzählten Adolf, Hendrik und Maximilian. Die drei Gymnasiasten aus dem Bistum Magdeburg gehören zu den 2.200 Helfern, die den Gästen unter anderem bei der Orientierung in den verwinkelten Gassen der Vierflüssestadt helfen sollen. Auch zwei Polizisten zeigten sich gut gelaunt und entspannt. Wenn es immer so ruhig und friedlich sei, hätten sie fast nix zu tun.

Wetter hin oder her: Die 31.000 Dauer- und erwarteten 50.000 Tagesgäste können bis Sonntag unter mehr als 1.000 Veranstaltungen wählen. Das Programmheft, das mehr ein Programmbuch ist, listet Gottesdienste und literarische Lesungen ebenso auf wie politische Podien und die Uraufführung einer Glockenkomposition von den städtischen Kirchtürmen.

Neben Gauck haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chef Sigmar Gabriel und zahlreiche weitere hochkarätige Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft ihr Kommen angekündigt. Und laut Wetterbericht kommt die Sonne auch noch vorbei.

Die Veranstalter wollen sich vom Wetter auf alle Fälle nicht die gute Laune verderben lassen. „Katholiken sind wetterfest“, beteuerte Glück bei der Eröffnungspressekonferenz. Bischof Voderholzer verwies zudem darauf, dass es ohne das Nass von oben auch keine Spezialitäten wie das Katholikentagsbier gäbe. Und das Wichtigste dabei: Keiner der vier Flüsse sei über die Ufer getreten.

Von Anna Mertens

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