„Gefängnis unter freiem Himmel“

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  • Bangui - 15.05.2014

Trotz internationaler Unterstützung durch afrikanische und französische Friedenstruppen hat sich die Sicherheitslage in der Zentralafrikanischen Republik verschlechtert. Dies erklärten die katholischen Bischöfe des Landes am vergangenen Mittwoch in einer offiziellen Stellungnahme. Die Verstöße gegen die Menschenrechte und die Gewalttätigkeiten hätten sich vervielfacht, warnte der Vorsitzende der Zentralafrikanischen Bischofskonferenz, Dieudonné Nzapalainga.

Die Bischöfe schätzten die Mobilisierung der internationalen Staatengemeinschaft sowie sämtliche Bemühungen zur Bewältigung der Krise. Angesichts des Anstiegs der militärischen Aktivitäten und der Ausschreitungen gegen die Zivilbevölkerung im westlichen und nordöstlichen Teil der Zentralafrikanischen Republik sei jedoch die Bilanz bis zum heutigen Tag negativ, erklärte Nzapalainga.

„Während sich die Regierung und die beauftragten internationalen Streitkräfte gegenseitig den Ball zuspielen, fällt das Volk weiterhin tagtäglich den Kugeln seiner Peiniger zum Opfer“, führte der Vorsitzende der Bischofskonferenz weiter aus.

Unterstützung durch Blauhelm-Soldaten

Um die Lage in dem seit Monaten von Kämpfen erschütterten Land zu stabilisieren, sind derzeit rund 2.000 französische Soldaten und rund 6.000 Soldaten der Afrikanischen Union im Einsatz. Ab Mitte September sollen diese durch 11.800 UN-Blauhelme unterstützt werden.

‚Der Staat existiert nicht mehr‘

Im Interview mit dem Internetportal Weltkirche Anfang 2014 forderte Erzbischof Nzapalainga ein stärkeres Engagement der Vereinten Nationen in der Zentralafrikanischen Republik.

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Statt Recht und Ordnung regiere in dem afrikanischen Binnenstaat das Gesetz der Gewalt. Die bewaffneten Gruppen – darunter die Anti-Balaka-Milizen, ehemalige Seleka-Rebellen und die ugandische Lord’s Resistance Army (LRA) – begingen Morde und Entführungen vollkommen ungestraft. „Die Zentralafrikanische Republik ist zu einem großen Gefängnis unter freiem Himmel geworden, in dem die Bewegungsfreiheit wie auch die Meinungsfreiheit Bedingungen unterworfen sind“, warnten die Bischöfe in ihrem Schreiben.

838.000 Binnenflüchtlinge

Laut Aussage der Bischofskonferenz seien inzwischen 838.000 Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht vor den Kämpfen. Davon seien rund 313.000 in Camps in der Hauptstadt Bangui untergebracht worden. Rund 246.000 weitere Flüchtlinge suchten Schutz in den Nachbarländern.

Ebenso warnten die Bischöfe in ihrer Stellungnahme vor der illegalen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Landes. Dies betreffe sowohl die Forstbestände als auch tierische und Bergbauressourcen, wie Diamanten. Die Geistlichen appellierten an die Übergangsregierung von Catherine Samba-Panza, den Schutz dieser Ressourcen zu gewährleisten.

Um mit „der schlimmsten Krise, die dieses Land bisher erlebt“ habe, fertigzuwerden, setze das zentralafrikanische Volk seine Hoffnung auf die internationale Gemeinschaft. „Dennoch sind wir nicht unserer eigenen Verantwortung als Bürger enthoben“, betonten die Bischöfe. Sie hielten „alle Zentralafrikanerinnen und Zentralafrikaner dazu an, sich zur Lösung dieser Krise aktiv einzubringen.“

Die Zentralafrikanische Republik gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit einem Putsch der Rebellenkoalition „Seleka“ im März 2013 leidet das Land unter gewaltsamen Konflikten. (lek mit KNA)

Hintergrund

Ein Hintergrundpapier des Netzwerks Afrika Deutschland (NAD) zur Machtübernahme in der Zentralafrikanischen Republik können Sie hier als PDF herunterladen:

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