Deutsche Kirche kritisiert Gewalt in Guatemala

  • Bonn - 14.05.2014

Eine Kriminalisierung sozialer Bewegungen in Guatemala haben die katholischen Bischöfe Deutschlands beklagt. Initiativen, die sich in der Seelsorge, beim Umweltschutz und bei der Wahrung der Menschenrechte engagierten, würden „kriminalisiert und verfolgt bis hin zum gewaltsamen Tod“, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Mittwoch in Bonn. „Wenn Menschenrechte missachtet werden, ist es Aufgabe der Kirche, zu helfen, dass Menschenrechtsaktivisten geschützt und unterstützt werden.“

Overbeck hatte als Vorsitzender der Bischöflichen Kommission für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat in den vergangenen Tagen das mittelamerikanische Land besucht und auch an der Vollversammlung der Bischöfe Guatemalas teilgenommen.

Friedensinitiativen der Kirche

Die Delegation der deutschen Kirche registrierte ein weiterhin erschreckendes Ausmaß alltäglicher Gewalt in Guatemala. Im vergangenen Jahr wurden in dem 15 Millionen Einwohner zählenden Land 6.032 Morde registriert. Die noch offenen Wunden des Bürgerkriegs, Drogenhandel, Bandenkrieg, zunehmende Waffengewalt und die Straflosigkeit seien dafür die Ursachen. Overbeck begrüßte Friedensinitiativen der Kirche und kündigte an, diese zu unterstützen.

Die Reisegruppe der Bischöflichen Kommission Adveniat zu Gast bei der Vollversammlung der Guatemaltekischen Bischofskonferenz. Escher/Adveniat

Adveniat -Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka kritisierte zugleich, dass die indigenen Bevölkerungsgruppen „nach wie vor zu den strukturell Benachteiligten und Ausgeschlossenen in Guatemala gehören“. Die Zeit des Bürgerkriegs sei bis heute nicht aufgearbeitet worden, viele Verbrechen blieben ungesühnt.

Neues Selbstbewusstsein der indigenen Völker

„Wir haben mit Hochachtung erfahren, wie aus dem Martyrium der indigenen Völker in der Zeit des Bürgerkriegs ein neues Selbstbewusstsein entsteht und die Kirche neu erwächst“, so Klaschka. Bemerkenswert sei zum Beispiel die vollständige Übersetzung der Heiligen Schrift in K’iche’. Kultur, Religion und Traditionen der Maya-Völker gehörten zu den Reichtümern Guatemalas.

Der Bürgerkrieg in Guatemala zählt zu den brutalsten Konflikten in der Geschichte Lateinamerikas. Er dauerte 36 Jahre und endete im Dezember 1996 mit dem Abschluss eines Friedensvertrags zwischen rechtsgerichteter Regierung und Rebellenvereinigung URNG. In dieser Zeit wurden Schätzungen zufolge mindestens 200.000 Menschen getötet, 83 Prozent davon Angehörige der indigenen Maya-Bevölkerung. Geschätzte 1,7 Millionen Menschen flohen vor Gewalt und Unterdrückung. (lek mit KNA)

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