Geiseldrama in Nigeria: Solidarität und Appelle

  • Aachen/Vatikanstadt - 09.05.2014

Das katholische Hilfswerk Missio Aachen hat die Bundesregierung dazu aufgerufen, sich in die Bemühungen um die Freilassung von rund 200 in Nigeria entführten Schülerinnen einzuschalten. Die Partnerorganisationen in dem westafrikanischen Land schilderten „eindringlich“, dass die verantwortlichen nigerianischen Politiker mit dem Problem überfordert seien, erklärte Missio-Präsident Klaus Krämer am Donnerstag in Aachen.

Die rund 200 Schülerinnen aus der Ortschaft Chibok im Nordwesten Nigerias befinden sich seit Mitte April in den Händen der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. Sie wurden aus einer staatlichen Sekundarschule entführt, das Gebäude anschließend verwüstet. Die Gruppe, die die Errichtung eines islamischen Gottesstaates anstrebt, kündigte an, die Schülerinnen als Bräute verkaufen oder versklaven zu wollen. Mädchen sollten ihrer Ansicht nach keine Schulen besuchen, auf denen sie mit westlicher Bildung in Berührung kämen, sondern sich verheiraten.

Dieses Vorgehen dürfe „von der Regierung Nigerias und der internationalen Staatengemeinschaft nicht hingenommen werden“, sagte Missio-Präsident Krämer. Dabei sei auch deutsches Engagement gefragt. Die Bundesregierung habe in ihrem Afrika-Konzept festgehalten, dass sie gemeinsam mit den afrikanischen Staaten, den Vereinten Nationen, der EU, internationalen Wirtschaftsorganisationen und der NATO die afrikanischen Fähigkeiten zur regionalen Konfliktprävention- und Bewältigung stärken wolle. Jetzt müsse die Bundesregierung dieses Vorhaben in die Praxis umsetzen. Sie müsse sich an einer internationalen Initiative zur Konfliktbewältigung beteiligen, die helfe, im Norden Nigerias für Sicherheit zu sorgen. Die Bundesregierung solle auf dem aktuellen Weltwirtschaftsforum in Nigeria auf dieses Thema aktiv hinweisen, meinte Prälat Krämer weiter.

Missio-Mitarbeiter starten Solidaritätsaktion

Als Zeichen der Solidarität mit den entführten Schülerinnen und deren Familien haben die Mitarbeiter des katholischen Hilfswerks am Donnerstag aus roten Buchstaben den Schriftzug „BringBackOurGirls“ gebildet. Unter diesem Namen klagen derzeit Familienangehörige und Vertreter der Zivilgesellschaft die nigerianische Regierung an, zu wenig gegen den Terror von Boko Haram zu unternehmen. Die Bewegung demonstriert jeden Tag in der Hauptstadt Abuja und anderen Orten.

Der Erzbischof von Jos, Ignatius Kaigama, arbeitet unermüdlich für Frieden und Versöhnung in der Krisenregion Jos und darüber hinaus. Tiburzy/Missio

Der nigerianische Erzbischof Ignatius Kaigama forderte ebenfalls von der Regierung seines Landes einen stärkeren Einsatz gegen Boko Haram. Seit Jahren verübten die Islamisten ihre Gräueltaten, ohne dass Militär und Sicherheitskräfte sie behinderten, beklagte er am Mittwoch im Gespräch mit Radio Vatikan.

„Ihre Führer sprechen über das Internet, aber keiner weiß, wo sie sich befinden. Woher haben sie die Mittel, um ihren Krieg zu führen? Von wem bekommen sie Hilfe? Vielleicht von anderen Ländern?“, fragte der Erzbischof von Jos und Vorsitzende der Nigerianischen Bischofskonferenz. Die Zentralregierung müsse schnell und effektiv handeln.

Vatikan verurteilt Terror Boko Harams

Scharfe Worte waren am Donnerstag auch aus dem Vatikan zu hören. „Die Leugnung jeden Respektes für Leben und Würde der Menschen, auch der unschuldigsten, verletzlichsten und ungeschütztesten, verlangt die schärfste Verurteilung und löst tiefstes Mitleid für die Opfer und den Horror ihres physischen und geistlichen Leids und ihre unglaubliche Demütigung aus. Wir schließen uns den Appellen zur Freilassung der Mädchen an“, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi auf Anfrage eines Journalisten zum Thema. (lek mit KNA/Missio Aachen/Radio Vatikan)

Missio-Blog

Im Missio-Blog „Bedrängte Christen“ finden Sie weitere Informationen zur Solidaritätsaktion der Missio-Mitarbeiter. Ebenso berichten hier Christen aus Nigeria vom Geiseldrama.

www.bedraengte-christen.de

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