„Der Glaube schweißt sie zusammen“

  • Sankt Augustin - 08.05.2014

Sechs Monate ist es her, da fegte ein Taifun über die Philippinen hinweg und brachte Zerstörung, Tod und Verzweiflung über die Menschen. Haiyan – die „Sturmschwalbe“ entfaltete eine Gewalt, mit der niemand gerechnet hatte. Dort, wo der Wirbelsturm wütete, machte er Städte dem Erdboden gleich, warf er riesige Ozeandampfer wie Spielzeugschiffe vom Meer ans Land, wo sie ganze Ortschaften unter sich begruben.

Niemand wird diese Schiffe je wieder bewegen können. „Während darunter die Toten begraben liegen, bauen die Menschen direkt daneben ihre Wohngebiete wieder auf“, erzählt Markus Frädrich von den Steyler Missionaren , der sich kürzlich ein Bild über die Lage vor Ort machte und ebenso fassungslos wie beeindruckt von seiner Reise zurückkehrte.

Fassungslos ob der Zerstörung, die auch Monate nach der Katastrophe noch allgegenwärtig ist und zwar so sehr, dass die Menschen sie kaum noch wahrnehmen. „Während ich bei unserer Ankunft von der Verwüstung um uns herum völlig geplättet war, sagten mir die Leute vor Ort: Es sieht doch schon wieder ganz gut aus“, erinnert sich der Journalist. Immerhin seien die Straßen wieder passierbar und es lägen keine Leichen mehr herum.

Das Ausmaß der Zerstörung auf der philippinischen Inselgruppe der Visayas ist immer noch gigantisch. Achim Hehn/SVD

Viele Massengräber

Nach der Katastrophe sind viele Massengräber entstanden. Etwa vor der Kathedrale in Palo, südlich von Tacloban. „Die Menschen sind dort hastig beerdigt worden, um keine Seuchen entstehen zu lassen“, berichtet Frädrich. Viele Kreuze sind auf dem Grab errichtet, ein kleiner Flügel der zerstörten Kirche steht noch. „Dort beten die Menschen für ihre Toten, deren Namen auf langen Stoffbahnen stehen.“

Bei Katastrophen wie diesen stellt sich schnell die Frage: Wie kann Gott so etwas zulassen? Die Menschen auf den Philippinen haben Eltern, Geschwister und Kinder verloren und saßen nach dem 8. November 2013 alleine in einer Trümmerwüste und trotzdem sind sie nicht vom Glauben abgefallen. „Sie haben sich nicht von Gott angewandt, im Gegenteil, die Kirchen sind voll“, erzählt Frädrich. Heute sehe man im Gottesdienst auch viele neue Gesichter. „Der Glaube schweißt die Menschen in der Not zusammen.“

Beten mitten im Sturm

Das gelassene Gottvertrauen schwingt auch in den Geschichten der Steyler Missionare mit, wenn sie vom Tag des Taifuns berichten. Wie Schwester Marie Claire, die eindrucksvoll berichtet, wie ihr Haus langsam geflutet wurde und der Wind das Dach mit sich riss, während sie mit ihren Mitschwestern vor dem Wasser ins obere Stockwerk flüchteten. Angst scheinen die Schwestern nicht gehabt zu haben. Ebenso wenig wie Justinus, der die Zeit des Taifuns betend in seinem Zimmer zubrachte, wo ihn die Windböen einsperrten. „Er konnte die Tür nicht öffnen, weil der Sturm so stark war und zog sich in ein Gespräch mit Gott zurück."

Besonders beeindruckt zeigt sich Frädrich vom Lebensmut der Menschen auf den Philippinen. „Als wir als Journalisten dorthin flogen, rechneten wir damit, dass es nicht leicht sein würde, die Menschen zu befragen und sie in ihrem Elend zu fotografieren.“ Vor Ort erleben sie aber das genaue Gegenteil: „In jeder zerstörten Bruchbude wurden wir gastfreundlich empfangen, es gab immer einen Stuhl für uns.“ Die Menschen berichteten offen über das, was ihnen widerfahren war, mit einem realistischen aber auch hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

Von Janina Mogendorf

So hilft Caritas international

Caritas international zieht eine positive Bilanz der Nothilfe. Mehr als 100.000 Menschen seien mit Hilfsgütern wie Lebensmitteln, Zeltplanen und Werkzeugsets erreicht worden. Über die Kirchen vor Ort erreichten die Hälfte auch Menschen, die sich selbst nicht helfen können, also Alte, kranke und behinderte Menschen sowie Kinder. Derzeit liegt der Schwerpunkt auf dem Wiederaufbau von sturmfesten Wohnhäusern, Schulen und sozialen Einrichtungen. Insgesamt 1,1 Millionen Häuser waren durch den Taifun beschädigt oder zerstört worden.

Fischer und Bauern, die nach dem Sturm ihre Lebensgrundlagen verloren haben, unterstützt Caritas international beim Neustart. Unter anderem werden Fischerboote verteilt, die von philippinischen Bootsbauern gebaut und mit deutschen Spendengeldern finanziert werden. Für Bauern, deren Anpflanzungen zerstört wurden, werden alternative Einkommensquellen erschlossen.

Die Hilfe ist nur möglich, weil die Menschen in Deutschland so viel gespendet haben. Alles in allem waren 14 Millionen Euro zusammengekommen, durch die Unterstützung von Schulklassen, Pfarrgemeinden, Unternehmen und Privatleuten.

www.caritas-international.de

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