„Alles zunichte gemacht“

  • Kriegstagebuch - 05.05.2014

Seit Dezember 2013 herrscht im jüngsten Land der Erde, dem Südsudan, ein blutiger Konflikt. Anhänger von Staatspräsident Salva Kiir, der der Ethnie der Dinka angehört, kämpfen gegen die Volksgruppe der Nuer, die sich hinter dem ehemaligen Vize-Präsidenten Riek Machar vereint hat. Ein Kriegstagebuch von Schwester Rengis Mary (43), Ordensfrau der Daughters of Mary Immaculate:

Juba, 15. Feburar 2014

Ich bin seit drei Jahren im Südsudan. Wir arbeiten in 55 Dörfern in und um Juba. Durch harte Arbeit und intensive Besuche in den Dörfern haben wir ein gutes Verhältnis zu den Gemeinden entwickelt. Nachdem wir das erbärmliche Leben von Frauen und Kindern gesehen hatten, begannen wir mit verschiedenen Entwicklungsprogrammen, mit Selbsthilfe- und Kindergruppen.

Es kostete uns zwei Jahre harte Arbeit, bis die Menschen langsam zu verstehen begannen, was unsere Intention war. Frauengruppen fingen an, Mikrokredite bereitzustellen, um ihre Ernährung zu verbessern und die Armut zu verringern. Unsere Anstrengungen zeigten gerade erste Ergebnisse, als innerhalb kürzester Zeit alles zunichte gemacht wurde. Wir waren verzweifelt. Das plötzliche Aufbrechen des ethnischen Konflikts aufgrund von selbstsüchtigen Motiven der Politiker brachte unsere Arbeit zum Stillstand und hat ihr sehr geschadet.

Der jüngste Konflikt hat einige tausend Tote gefordert und Hunderttausende zu Flüchtlingen gemacht. Viele Frauen und Kinder sind traumatisiert; Jugendliche kämpfen mit Hass und Schuldgefühlen. Viele von ihnen waren nicht in der Lage, den verborgenen Plan hinter dem Konflikt zu verstehen. Familien haben ihre Angehörigen, ihr Hab und Gut, ihre Ernte verloren.

Von Schwester Rengis Mary

Aus: kontinente. Ausgabe Mai/Juni 2014. Mit freundlichen Dank für die Abdruckgenehmigung.

© Magazin „Kontinente“