Zehn Jahre EU-Osterweiterung

  • Freising - 01.05.2014

Vor zehn Jahren, am 1. Mai 2004, traten zehn neue Mitgliedstaaten der Europäischen Union bei, acht davon aus Mittel- und Osteuropa. Eine Erklärung der Geschäftsführung von Renovabis, dem Osteuropa-Hilfswerk der katholischen Kirche in Deutschland:

Vor zehn Jahren, am 1. Mai 2004, traten zehn neue Mitgliedstaaten der Europäischen Union bei, acht davon aus Mittel- und Osteuropa. Nach dem Fall der totalitären Regime anderthalb Jahrzehnte zuvor und der Überwindung der Spaltung Europas in zwei sich feindlich gegenüberstehende Blöcke wurde dieser Schritt mit großen Hoffnungen auf ein neues Zusammenwachsen der europäischen Völkerfamilie in Freiheit und Solidarität begrüßt.

Heute, zehn Jahre später, dürfen wir mit dankbarer Überzeugung feststellen, dass die Europäische Union durch diesen Akt der Wiedervereinigung Europas bereichert wurde. Gleichzeitig stellen wir mit großer Sorge fest, dass sich neue Spaltungen in Europa weiter verfestigt haben. Die Infragestellung der Selbstbestimmung und der territorialen Integrität der Ukraine ist eine Absage an die Vision eines in Frieden mit sich selbst versöhnten Kontinents und weckt Erinnerungen an die überwunden geglaubte Zeit der Konfrontation des Kalten Krieges.

Umso wichtiger bleibt es, die Integration der Europäischen Union so voranzubringen, dass alle ihre Mitgliedstaaten – und vor allem die 500 Millionen Bürger und Bürgerinnen darin – immer mehr ein Gemeinwesen erkennen können, welches die in langer Geschichte gewachsene Identität der einzelnen Nationen achtet, die Freiheit der einzelnen Menschen fördert und in der Lage ist, Frieden und Gerechtigkeit auch für die kommenden Generationen grundzulegen. Eine solche Gemeinschaft wird – in ihren Reihen noch bestehende und immer wieder auftretende – Interessenkonflikte verantwortungsvoll auszutragen suchen. Die Erfahrung der schweren Krisen, denen die Europäische Union und viele ihrer Mitgliedsländer in den letzten Jahren ausgesetzt waren, darf uns für die Zukunft nicht entmutigen. Gerade die 2004 beigetretenen Staaten haben unter Zumutungen für die eigene Bevölkerung und ohne großes Klagen viel dazu beigetragen, die Krise der Gemeinschaft zu meistern.

In den vergangenen zehn Jahren haben viele Menschen in Europa durch persönliche Begegnung und Solidarität dazu beigetragen, den abstrakten Rahmen der Europäischen Union zu einem Europa der Menschen werden zu lassen, gerade indem sie Brücken zwischen Ost und West schlugen. Viele von ihnen wissen sich in der Kraft ihres christlichen Glaubens diesem Ziel verpflichtet. Auch Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, stützt sich auf dieses Engagement.

In Dankbarkeit erinnern wir heute an die Ermutigung der Europäer durch den heiligen Papst Johannes Paul II., der an der Schwelle des Beitrittsaktes von 2004 dem sich selbst wiederfindenden Europa ein prophetisches Vermächtnis mitgegeben hat:

„Ich denke an ein Europa, dessen Einheit in einer wahren Freiheit gründet. Die Religionsfreiheit und die gesellschaftlichen Freiheiten sind als edle Früchte auf dem Humus des Christentums gereift. Ohne Freiheit gibt es keine Verantwortung: Weder vor Gott noch gegenüber den Menschen.“

— Papst Johannes Paul II. bei der Verleihung des außerordentlichen Karlspreises der Stadt Aachen, 24. März 2004

Die Geschäftsführung von Renovabis:

Pater Stefan Dartmann SJ, Dr. Gerhard Albert, Burkhard Haneke

www.renovabis.de

© Renovabis