Ebola-Angst in Guinea

  • Kankan/München - 14.04.2014

Ebola ist eine der ansteckendsten Krankheiten der Welt und endet meist tödlich. Die aktuelle Epidemie in Westafrika hat unter der Bevölkerung Angst und Panik ausgelöst. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation starben in Guinea bereits mehr als 100 Menschen, es gibt über 150 Verdachtsfälle.

Auch Nachbarländer sind betroffen. Der langjährige Missio-Partner Bischof Emmanuel Felemou aus der Diözese Kankan in Guinea berichtet von der großen Verzweiflung der Menschen: „Keiner war auf so etwas vorbereitet.“ Hilfsorganisationen sprechen bereits von einer „Epidemie nie gekannten Ausmaßes“. Nach Angaben des Münchner Tropenmediziners Nikolaus Frühwein wurden Guinea und seine westafrikanischen Nachbarländer völlig unvorbereitet getroffen: „Ebola brach bislang vor allem in Zentralafrika und lokal begrenzt auf.“ Ärzte berichten, man habe es in Westafrika mit der aggressivsten Variante von Ebola zu tun, dem sogenannten Zaire-Fieber. Erbrechen, Durchfall, Fieber und innere Blutungen: „Es gibt keine Medikamente dagegen, mehr als 90 Prozent der Patienten sterben. Wer sich mit Ebola ansteckt, hat oft nur noch zwei Wochen zu leben“, erklärt Infektions-Experte Frühwein im Interview mit Missio.

Bischof Emmanuel Felemou. Missio München

„Die Menschen sind verzweifelt und außer sich vor Angst“

In einem Telefongespräch berichtete Bischof Felemou Missio in München von der Situation in seiner Heimat: Auch seine Diözese Kankan und dort vor allem die Stadt Guéckédou sowie Dabola und Kissidougou seien betroffen. „Die Menschen sind verzweifelt und außer sich vor Angst“, betonte der Bischof. Die Situation sei äußerst angespannt, weil es zum ersten Mal Ebola in Guinea gebe. „Die Leute waren auf so etwas nicht vorbereitet, es gab keine Sicherheits- oder Hygienevorkehrungen.“ Felemou will in den nächsten Tagen eine Familie in Guéckédou besuchen, die den Vater verloren hat. Der Bischof kannte den Mann gut und schätzte ihn sehr. Alle Menschen seien derzeit sehr verunsichert und voller Panik: „Keiner gibt dem anderen zur Zeit zur Begrüßung die Hand. Alle haben große Furcht, sich anzustecken.“ Auch beim Gottesdienst berühre sich beim Friedensgruß niemand mehr mit den Händen.

Für die Erkrankten wurden in den betroffenen Gebieten Dekontaminierungskammern und Isolierstationen errichtet. Ärzte, Schwestern und Sanitäter nähern sich den Patienten nur in Ganzkörperschutzanzügen, Gesichtsmasken und Gummistiefeln. Alles wird akribisch desinfiziert. Die Helfer kämpfen mit vereinten Kräften, um eine weitere Verbreitung der todbringenden Krankheit zu verhindern.

Professionelle Pflege gefragt

„Die sofortige Isolation der Erkrankten ist die einzige Möglichkeit, ein weiteres Ausbreiten von Ebola zu verhindern“, betont Tropenmediziner Frühwein. Zudem bräuchten die Betroffenen professionelle Pflege. „Wenn Verwandte sich um die Erkrankten kümmern ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie sich auch sofort anstecken.“ Ebola wird nach Angaben Frühweins direkt über den Verzehr von Buschfleisch wie Affen- und eventuell auch Fledermausfleisch übertragen. Von Mensch zu Mensch kann man sich über engen Körperkontakt infizieren.

Angaben der WHO zufolge wurde Ebola erstmal 1976 im Sudan und in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, entdeckt. Beide betroffenen Gebiete befinden sich in der Nähe des Flusses Ebola, nach dem der Erreger benannt ist. Bis heute gibt es keine Impfung oder Therapie gegen das Virus. Ebola war bislang fast ausschließlich im zentralafrikanischen Raum und lokal begrenzt aufgetreten. Zu Beginn dieses Jahres wurden die ersten Fälle in Guinea registriert. Große Sorge bereitet den Ärzten, dass sich Ebola in einem großen Gebiet, auch über Landesgrenzen hinweg, verbreitet: Todes- und Verdachtsfälle wurden auch aus Sierra Leone, Liberia und Mali gemeldet.

Von Antje Pöhner

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