Vorstoß für faire Kleidung

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  • Bonn - 09.04.2014

Die Christliche Initiative Romero (CIR) begrüßt das Ziel von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), soziale und ökologische Standards in der Textilindustrie durchzusetzen. Ein weiteres Textilsiegel garantiere aber nicht unbedingt bessere Arbeitsbedingungen in den weltweiten Zuliefererbetrieben, erklärte die Organisation am Dienstag in Münster. Zertifizierungen griffen nur, wenn die Menschen- und Arbeitsrechte in Unternehmen gesetzlich kontrolliert würden. Freiwillige Selbstverpflichtungen griffen zu kurz.

Müller plant einen Runden Tisch mit Vertretern der deutschen Textilwirtschaft. Ziel ist, dass sich die Branche selbst dazu verpflichtet, soziale und ökologische Mindeststandards von der Produktion bis zum Verkauf einzuhalten. Dabei geht es um den Arbeitsschutz, Mindestlöhne und Mindestvorgaben zum Umweltschutz.

Die meist in Entwicklungsländern ansässigen Zulieferbetriebe der Textilwirtschaft stehen immer wieder wegen menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen in den Schlagzeilen. Im vergangenen Jahr kamen bei einem Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch mehr als 1.000 Näherinnen ums Leben. Müller sagte, seither habe sich viel zu wenig getan. So hätten die Unternehmen in den angekündigten Fonds zur Unterstützung der betroffenen Familien bislang nur ein Viertel des versprochenen Geldes eingezahlt.

Katholikenkomitee fordert zur Entschädigung auf

Angesichts dessen hatte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Anfang der Woche die Textilunternehmen zur Entschädigung der Betroffenen in Bangladesch aufgefordert. Es sei „die Pflicht derer, die von der Arbeit der verunglückten Menschen am meisten profitiert haben, unverzüglich Hilfe zu leisten für die Opfer und die Angehörigen der Toten“, erklärte ZdK-Präsident Alois Glück am Montag in Bonn.

Mit Blick auf Minister Müllers Plan, ein Textilsiegel für nachhaltig produzierte Kleidung einzuführen, erklärte Glück, dieses Siegel müsse „den gesamten Produktions- und Wertschöpfungsprozess mit einbeziehen und darf nicht nur die nachhaltige Produktion des Rohstoffes Baumwolle, wie es in der Vergangenheit bei staatlich unterstützen Initiativen wie ‚Cotton made in Africa‘ der Fall war, betreffen.“ Ein Siegel gebe Verbrauchern eine hilfreiche Orientierung und könne eine positive Breitenwirkung für den Kauf nachhaltig produzierter Kleidung in Deutschland entfalten, betonte der ZdK-Präsident. (lek mit KNA)

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