Ruanda erinnert an Völkermord vor 20 Jahren

  • Kigali/Berlin - 02.04.2014

Mit zahlreichen Veranstaltungen erinnern die Menschen in Ruanda in diesen Tagen an den Völkermord in dem zentralafrikanischen Land vor 20 Jahren. Ein landesweiter Fackellauf endet am kommenden Montag in der Hauptstadt Kigali. Präsident Paul Kagame will mit der „Flamme der Erinnerung“ ein nationales „Licht der Trauer“ entzünden. Damit beginne zugleich die offizielle Trauerphase, heißt es auf der Internetseite der Gedenk-Initiative „kwibuka20“ . Das Wort in der Landessprache Kinyarwanda bedeutet „erinnern“.

Der Bürgerkrieg in dem zentralafrikanischen Staat brach am 7. April 1994 aus. Äußerer Anlass war ein bis heute ungeklärter Anschlag auf das Flugzeug des damaligen Präsidenten Juvenal Habayarimana. In den folgenden drei Monaten ermordeten radikale Angehörige der Volksgruppe der Hutu bis zu 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Experten vermuten heute, dass der Genozid von langer Hand vorbereitet wurde. Zu den Ursachen werden Konflikte um die Landnutzung in dem dicht besiedelten Staat gezählt, aber auch der von den früheren Kolonialmächten gesäte Hass zwischen Hutu und Tutsi.

Misereor: Die Menschen nicht alleine lassen

Das katholische Hilfswerk Misereor mahnte dazu, in der Aufarbeitung der Verbrechen nicht nachzulassen. Das betreffe auch die katholische Kirche. „Zwar gab es Priester und Ordensleute, die während des Völkermordes Verfolgten Schutz boten“, sagte die Leiterin des Berliner Misereor-Büros, Ilona Auer-Frege. „Aber es gab gleichzeitig viele in den Reihen der katholischen Kirche, die dem Morden teilnahmslos zusahen – oder selbst zu Mördern wurden.“ Schwerpunkt der Projektarbeit von Misereor bleibe es, die Menschen beim Aufbau einer friedlichen Gesellschaft weiter zu unterstützen.

Kritik übte Auer-Frege an Präsident Kagame. Zwar gelte Ruanda 20 Jahre nach dem Völkermord heute als „Musterland“ in Afrika. Diese Stabilität habe aber einen hohen Preis. Oppositionelle und Regierungskritiker müssten sich starken staatlichen Regeln unterwerfen. Die Medien im Land stünden unter Kontrolle der Regierung. Kagame führte die Tutsi-Rebellenarmee Ruandische Patriotische Front (RPF), die Anfang der 1990er Jahre an Einfluss gewann und später als Siegerin aus dem Konflikt hervorging.

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