Wachsende Kluft zwischen Arm und Reich

  • © Bild: KNA
  • Gütersloh - 25.03.2014

Die Globalisierung hat in den letzten zwanzig Jahren laut einer wissenschaftlichen Erhebung vor allem den Wohlstand in den Industrienationen vermehrt. Schwellen- und Entwicklungsländer hingegen profitierten vergleichsweise wenig, wie die am Montag in Gütersloh veröffentlichte Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zu den Effekten der Globalisierung in 42 Staaten ergab.

Demnach führte das Zusammenwachsen der Welt bislang anstatt zu einer Annäherung des Wohlstands zwischen Industrieländern wie Finnland, Dänemark oder Japan und den Schwellenländern eher zu einer größeren Kluft. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in den Top-20-Industrieländern im Schnitt um etwa 1.000 Euro jährlich stieg, wuchs es in Ländern wie Mexiko, China oder Indien um weniger als 100 Euro je Einwohner, so die Studie.

„Wir müssen erkennen, dass die Globalisierung die Schere zwischen Arm und Reich eher noch weiter öffnet“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. Erst über einen längeren Zeitraum werde sie dazu beitragen, dass Schwellen- und Entwicklungsländer die Wohlstandslücke zu den Industrienationen verkleinern können. Ein neuer Protektionismus jedoch sei die falsche Antwort, da wirtschaftliche Abschottung die Wachstumseffekte in den Schwellenländern verringere, sagte De Geus.

Deutschland als Globalisierungsgewinner

Nach Finnland, Dänemark und Japan profitierte Deutschland am stärksten von der weltweiten Verflechtung, hieß es. So ließ die Globalisierung zwischen 1990 und 2011 das deutsche BIP im Schnitt jährlich um rund 100 Milliarden Euro wachsen. Die zunehmende Verflechtung auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene war somit für etwa 20 Prozent des Wachstums der deutschen Volkswirtschaft verantwortlich. Insgesamt beziffern die Wissenschaftler die Summe der BIP-Gewinne durch Globalisierung in diesem Zeitraum auf rund zwei Billionen Euro.

In der Rangliste der Globalisierungsgewinner folgen die Schweiz, Österreich und Israel. Die absoluten Zuwächse beim Pro-Kopf-Einkommen seien in den großen Schwellenländern Südafrika, Brasilien, Russland, Mexiko, China und Indien am geringsten. Laut den Wissenschaftlern sollten die Schwellenländer stärker in die Weltwirtschaft integriert werden, indem die Industrieländer ihre Märkte für deren Produkte öffnen, Subventionen für Agrarprodukte reduzieren, Bildungs- und Infrastrukturmaßnahmen fördern sowie Produktionsanlagen und Technologien finanzieren, hieß es.

© KNA

Globalisierungsreport 2014

Die Studie der Bertelsmann Stiftung können Sie hier als PDF herunterladen:

zur Studie