Nehmt den Hunger nicht hin!

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  • Berlin - 10.03.2014

Dass es hier international zugeht, war den Gottesdienstbesuchern schon in den ersten Sekunden der Messfeier klar. Ein Chor in bunter Tracht sang zum Einzug afrikanische Lieder, viele Gäste aus Afrika waren versammelt: Am Sonntag ist in der vollbesetzten Kirche St. Marien Liebfrauen im Berliner Stadtteil Kreuzberg die diesjährige Misereor-Fastenaktion eröffnet worden.

Sie steht unter dem Leitwort: „Mut ist, zu geben, wenn alle nehmen". Besonders im Blick ist dieses Jahr das Land Uganda. Dort leidet ein Drittel der Bevölkerung, über elf Millionen Menschen, täglich an Hunger.

In seiner Predigt ging der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki auf die Lage der Kleinbauern in dem ostafrikanischen Land ein. „Sie gehören zu den 842 Millionen Menschen in unserer einen Welt, die nach offiziellen Statistiken hungern", sagte Woelki und rief dazu auf, diesen Hunger nicht einfach hinzunehmen. Er nannte Bildung, veränderte Anbaubedingungen und neue Bewässerungssysteme als Bausteine, um die Zukunftsaussichten der Menschen zu verbessern.

‚Es geht um unser ganzes Leben!‘

Halbnomaden im Nordosten Ugandas kämpfen gegen den Hunger. Ein Film zur Misereor-Fastenaktion 2014.

Misereor

Woelki kritisiert unfaire Handelsbedingungen

Gleichzeitig kritisierte Woelki Landraub , industrielle Agrarwirtschaft und unfaire Handelsbedingungen als die Faktoren, die den Hunger überhaupt erst erzeugten. Jeder Einzelne könne sich engagieren, so der Kardinal und nannte gleich mehrere Beispiele: „Es gibt vieles, was wir geben können: Unseren wachen, kritischen Verstand, unseren solidarischen Lebensstil , unsere Mitleidenschaft, einen Teil dessen, was wir besitzen für die, die nichts besitzen". Denn Jesus habe im Evangelium zur Umkehr aufgerufen, sich nicht auf sich selbst und die eigenen Sorgen zu konzentrieren.

In einem Grußwort zur Fastenaktion rief auch Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) dazu auf, die eigenen Konsumgewohnheiten zu überdenken. Die Rohstoffe dürften nicht weiter ausgenutzt, die Erde nicht weiter verschmutzt werden: „In Deutschland können wir nicht länger verdrängen, dass unser heutiger Lebensstil zu einem Teil darauf gegründet ist, dass es anderen Menschen noch nicht mal zum Nötigsten reicht", so der Minister. Auf eine sehr kurze Formel brachte es Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel: „Alles, was wir geben, ist nicht verloren, sondern kommt auf uns zurück", so der Geistliche. Dem Anderen etwas zu geben, sei letztlich kein Verlust, sondern trage zum Aufbau der Welt bei.

Monsignore Pirmin Spiegel läuft bei der Hungertuchwallfahrt mit: "Wir werden hier in der Diaspora sehr freundlich aufgenommen", sagt der Misereor-Hauptgeschäftsführer. Markus Kremser

Hungertuchwallfahrer begrüßt

In dem Gottesdienst wurde auch eine Gruppe von Wallfahrern begrüßt. Sie waren in den vergangenen Tagen mit einem Misereor-Hungertuch von Aachen zur Eröffnung der Fastenaktion nach Berlin gezogen. Hungertücher mit biblischen Motiven haben traditionell vor allem die Funktion, den Altarraum in der Fastenzeit zu verhüllen.

Die diesjährige Fastenaktion ist die 56. in der Geschichte des kirchlichen Entwicklungshilfswerks. Im Mittelpunkt steht der Kampf gegen Hunger. Im Schwerpunktland Uganda erarbeiten sich Bauernfamilien mit Hilfe von Misereor-Partnern einen Weg aus Hunger, Armut und Unsicherheit. Durch nachhaltige Landwirtschaft und Viehhaltung sichern sie ihre Existenz, stärken im gemeinsamen Lernen und Arbeiten ihr Selbstbewusstsein und bauen an einer hoffnungsvolleren Zukunft für nachkommende Generationen.

Lebensgewohnheiten ändern

Mit der Aktion will Misereor aber auch in Deutschland dazu anregen, die eigenen Lebensgewohnheiten zu überdenken. Am fünften Sonntag der Fastenzeit, am 6. April, werden die Gläubigen deutschlandweit in allen katholischen Gottesdiensten über die Arbeit von Misereor informiert und um Unterstützung gebeten. Die Fasten-Kollekte des vergangenen Jahres erbrachte über 16 Millionen Euro, die für Hilfsprojekte eingesetzt wurden. Die Fastenaktion endet am Ostersonntag (gho/lek/KNA).

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