„Aus der Freude des Evangeliums prophetisch werden – jetzt“

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  • Frankfurt - 26.02.2014

Die Einladung des Papstes annehmen: die Kirche in Deutschland im Dienst an einer gerechten und schöpfungsverbundenen Welt prophetisch erneuern!“, forderten mehr als 80 Teilnehmende des III. Ratschlags für eine prophetische Kirche Anfang Februar 2014 im Haus am Dom in Frankfurt. Eingeladen zu dieser bundesweiten Veranstaltung hatte die Initiative für eine prophetische Kirche .

Unter den Teilnehmenden waren Christen aus Bistümern, Ordensgemeinschaften, Verbänden, Gemeinden, Vertreterinnen und Vertreter interessierter Organisationen und Einzelpersonen. 2010 wurde der Aufruf für eine prophetische Kirche veröffentlicht, mit dem Ziel in Kirche und Gesellschaft zu einem grundlegenden Umdenken angesichts der krassen Widersprüche in der Welt beizutragen. Der diesjährige Ratschlag setzte sich mit dem im November erschienenen Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus Evangelii Gaudium auseinander.

Dreifacher Bruch gefordert

Im Auftaktreferat betonte Thomas Schmidt die Notwendigkeit, angesichts der multiplen Problemlagen der Welt einen dreifachen Bruch zu wagen: „Bruch mit dem Wachstumsdogma, Bruch der Kirche mit staatlichen Privilegien, nicht aber mit der Gesellschaft und Bruch mit einer verschwenderischen Konsumkultur.“

Astrid Waller (Katholikenrat Bistum Speyer), Christoph Fuhrbach (Referat Weltkirche im Bistum Speyer) und Wolfgang Kessler (Publik-Forum) auf der Bühne. Treike/Bistum Limburg

Dass so ein Bruch ohne einen Perspektivwechsel in der Lesart des Evangeliums nicht erfolgen kann, hatte zuvor Markus Büker, Theologische Grundsatzfragen des bischöflichen Hilfswerkes Misereor , thematisiert: „Durch wen lassen wir uns an das Evangelium erinnern, die gefährlichen Erinnerungen des ersten und zweiten Testaments mitteilen? (…) In der Nähe der Armgemachten und Ausgeschlossenen geht das einfacher. In Gemeinschaft geht das besser. Darum sind wir hier.“ Papst Franziskus steht für ein Kirchsein von den Rändern her, ergänzte Markus Büker. Dies habe er nicht nur mit klaren Worten, sondern auch mit symbolträchtigen Gesten untermauert. Wie können wir im deutschen Kontext dieser Botschaft Geltung verschaffen, fragten sich beide Referenten?

„Evangelii Gaudium“ in die Hand nehmen

Viele Teilnehmende griffen in den Diskussionen diese Frage auf und betonten die Notwendigkeit, zeichenhafte Taten zu wagen, die Anziehungskraft ausstrahlen und andere Menschen zum Mitmachen bewegen. Die „Wirklichkeit steht über der Idee“, heißt es in Evangelii Gaudium . „Es fehlt nicht an Ideen, sondern an Konsequenzen“, analysierte Thomas Schmidt. Was bedeutet es, eine neue Wirklichkeit entstehen zu lassen, wenn wir uns eingestehen müssen, dass wir selbst in den Strukturen der Zerstörung festsitzen? Haben wir eine andere Wahl, als die nächsten machbaren Schritte auszuschöpfen, ohne das Ganze aus dem Blick zu verlieren?

„Es fehlt nicht an Ideen, sondern an Konsequenzen.“

— Thomas Schmidt

Beim dritten Ratschlag wurde es deutlich: es ist Aufgabe der ChristInnen an der Basis, „Evangelii Gaudium“ in die Hand zu nehmen und die notwendigen Schritte zu unternehmen, um Veränderungen einzuleiten. „Wenn wir die Veränderungen von oben erwarten, verpassen wir den Kairos, den Wind of Change. Franziskus ermutigt uns, Verantwortung zu übernehmen und den Blick nach oben und nach Rom zu korrigieren. Wer weiß, wie lange dieser Wind noch dauert“, fragte sich ein Teilnehmer. Für die Nutzung dieses Kairos brauchen wir Bündnispartner/innen und Netzwerke – alte wie neue. An unserer Fähigkeit, Wirkungskreise außerhalb unserer Kirchen zu erreichen müssen wir uns messen lassen. Ansonsten betreiben wir theologischen Narzissmus, mahnte Vera Krause in Anlehnung an Papst Franziskus: „Wir müssen nach außen wirken und nicht um uns selbst kreisen. Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist“.

Von Boniface Mabanza

© Initiative Aufruf für eine Prophetische Kirche