Menschenhandel in Europa weiterhin „traurige Realität“

  • Wien - 17.02.2014

Moderne Sklaverei“ in Form organisierten Menschenhandels ist auch in europäischen Staaten weiter Alltag: Das betonten Experten und europäische Politiker am Montag zum Auftakt einer zweitägigen internationalen Konferenz von Europarat und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien.

Allein 2012 wurden Schätzungen zufolge weltweit zwischen 20 und 30 Millionen Menschen Opfer von Menschenhändlern, von sexueller Ausbeutung oder Zwangsarbeit. Nur knapp 8.000 Fälle seien strafrechtlich verfolgt worden, berichtete OSZE-Generalsekretär Lamberto Zannier. Es sei „traurige Realität“, dass viele Opfer von Menschenhandel gar nicht erkannt würden und die Täter unbestraft blieben, sagte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz: „Wir dürfen nicht wegsehen, sondern müssen hinsehen und dem Menschenhandel den Kampf ansagen.“

Straftäter mit „null Toleranz“ verfolgen

Die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte, Menschenhandel finde „mitten in unseren Städten und Dörfern statt“. Die Herausforderung jener Länder, in die Menschen verschleppt werden, liege darin, die Opfer zu identifizieren und die Straftäter mit „null Toleranz“ zu verfolgen. Auch brauche es vorbeugende Maßnahmen gegen Armut und Ausbeutung in den Herkunftsländern, die der Ursprung des Menschenhandels seien. Schlüssel zur erfolgreichen Bekämpfung der Verbrechen sei nationale und internationale Zusammenarbeit, so Sommaruga.

Deutschland ist 2013 der Konvention des Europarates zur Bekämpfung des Menschenhandels von 2005 beigetreten. Die Europarats-Expertengruppe GRETA überwacht die Umsetzung der Konvention und hat dazu bislang 30 Länder untersucht.

„Wir haben viele Fortschritte erzielt, es muss aber noch viel mehr gemacht werden, um Menschenhandel in Europa zu stoppen“, sagte Europarats-Generalsekretär Thorbjörn Jagland mit Blick auf die bisherigen Maßnahmen der europäischen Regierungen. Vor allem Roma seien nach wie vor stark von Menschenhandel betroffen.

„Kein Land, keine Regierung, keine Organisation kann diese Herausforderung allein meistern“, so Jagland. Es brauche Kooperationen und „Partnerschaften auf allen Ebenen“. National bedeute das etwa eine engere Zusammenarbeit zwischen Behörden und Zivilgesellschaft. Eine wichtige Rolle spielten auch spezialisierte Nichtregierungsorganisationen, die im täglichen Kontakt mit den Opfern stehen.

© KNA