Eine Schwester kämpft für afrikanische Flüchtlinge

  • Vatikanstadt - 13.02.2014

Vor einem Monat machten in Tel Aviv erstmals Tausende afrikanische Flüchtlinge ihrem Ärger über Israels Umgang mit Asylsuchenden Luft. Ihre Proteste brachten die Menschen, die auf ihrem Weg über den Sinai Haarsträubendes erleben mussten, weltweit in die Schlagzeilen, doch geändert hat sich an ihrer Lage nichts. Oder doch? Schwester Azezet Kidane, eine Comboni-Missionarin aus Eritrea, kämpft seit langer Zeit an der Seite der afrikanischen Flüchtlinge in Israel. Am Mittwoch sagte sie gegenüber Radio Vatikan:

„Es gibt heute viele Israelis, die zu verstehen beginnen, wie sehr diese Flüchtlinge leiden. Viele Israelis unterstützen sie, damit sie zu ihren Rechten kommen und damit die Gesetze gerechter werden.“

Die strengen Gesetze Israels dagegen bereiten der Schwester schon seit langer Zeit Kopfzerbrechen. Knackpunkt der Debatte ist die Frage, ob die Menschen als „Wirtschaftsflüchtlinge“ anzusehen sind, wie die Regierung argumentiert, oder ob sie in ihren Heimatländern – meist Eritrea oder Sudan – aus ethnischen, politischen oder anderen Gründen um ihr Leben fürchten müssen. Fest steht aber eines: Wenn diese Menschen in Israel ankommen, haben sie das weitaus Schlimmste bereits hinter sich. Schwester Kidane arbeitet in einer Klinik in Jaffa, wo sie die schier unglaublichen Geschichten von Menschenhandel bis hin zur Organentnahme an lebenden Menschen hört.

„Sie zahlen mit ihrem Leben, oder mit Folter, und sie lassen ihre Familien in Armut zurück. Denn wenn sie von den Menschenhändlern auf dem Sinai gefangen und als Geiseln genommen werden, dann müssen ihre Familien daheim ihre Häuser und ihre Tiere verkaufen, alles was sie haben. Sie zahlen einen unendlich hohen Preis. Und wenn sie dann hier in Israel ankommen, finden sie es sehr, sehr schwierig.“

Keine würdige Behandlung

Menschenrechtler in Israel und anderswo sind der Ansicht, dass Israel angesichts des Schicksals dieser Menschen die Pflicht hätte, sie als Flüchtlinge anzuerkennen. Mittlerweile schaffen es ohnehin kaum noch neue afrikanische Flüchtlinge über den Sinai, dank des mächtigen Zaunes, den Israel an der Grenze zu Ägypten hochgezogen hat. Doch auch jene Männer, Frauen und Kinder aus Afrika, die bereits jetzt illegal in Israel sind, erfahren aus der Sicht von Schwester Kidane keine würdige Behandlung.

„Da gibt es viele Sorgen. Das Gesetz ändert sich nämlich oft. Ihre Visa werden immer kürzer. Wenn sie gehen, um ihre Visa zu verlängern, gibt es dort zu viele Leute, und sie kriegen ihre Visa nicht verlängert. Wenn man sie dann auf der Straße aufgreift ohne gültiges Visum, landen sie im Gefängnis. Viel Stress und viele Schwierigkeiten. Und niemand tritt wirklich für sie ein.“

Niemand – außer Menschen wie Schwester Azezet Kidane selbst. Für ihren Einsatz erhielt sie vor zwei Jahren sogar staatliches Lob aus den USA: Außenministerin Hillary Clinton zeichnete die Missionarin damals als „Heldin im Kampf gegen Menschenhandel“ aus.

© Radio Vatikan