„Unser Konzept ist ein anderes“

  • Wuppertal/Bonn - 07.02.2014

Einen Durchbruch auf dem deutschen Süßwarenmarkt verspricht Fairtrade-Deutschland mit seinem neuen Fairtrade-Kakao-Programm . Dieses erlaubt die Zertifizierung von einzelnen fair gehandelten Rohstoffen in Naschwaren, wie Schokoriegeln oder -keksen. Die übrigen Inhaltstoffe müssen dabei nicht aus Fairem Handel stammen. Im Interview mit dem Internetportal Weltkirche erklärt Robin Roth, Geschäftsführer der Fair-Handels-Gesellschaft GEPA , was er von dem neuen Kakao-Programm hält.

Frage: Wie steht die GEPA zur Einführung des neuen Programmsiegels?

Roth: Unser Konzept des Fairen Handels ist ein anderes: Wir möchten Alternativen zum Welthandel aufzeigen. Wir bieten Schokoprodukte, die hohe Fair-Handelsanteile mit nicht nur rechnerisch, sondern auch physisch ins Päckchen rückverfolgbarem Rohkakao enthalten. Das erfordert in der Verarbeitung Aufwand für die Trennung von fairem und nicht fairem Kakao, aber Fairen Handel gibt es aus unserer Sicht nicht zum Nulltarif. Handelskunden attestieren unseren Produkten eine hohe Glaubwürdigkeit, und auch Verbraucherinnen und Verbraucher sind gerne bereit, etwas mehr dafür zu zahlen, wenn eben „drin“ ist was „draufsteht“.

Das Fairtrade-Kakao-Programm ist laut Fairtrade-Deutschland ein Programmsiegel für Rohstoffzertifizierung, kein Produktsiegel. Allerdings darf es auch auf dem Produkt abgebildet werden. Wir halten es für entscheidend, inwieweit es gelingt, Verbraucherinnen und Verbrauchern diesen Unterschied wirklich zu erklären. Das Fairtrade-Siegel ist als sehr bekanntes Produktsiegel eingeführt und als solches wird man leicht auch das neue Zeichen wahrnehmen. Wir fänden es problematisch, wenn möglicherweise von einer fairen Zutat im Produkt auf die Fairness des ganzen Produktes geschlossen würde.

Frage: Verwässert diese Teilzertifizierung den Gedanken von Fair-Trade-Siegeln?

Roth: Wir sehen hier durchaus eine Möglichkeit der Verwässerung. Es gibt keinen Mindestprozentsatz für den Anteil des Rohstoffs am Produkt. Laut Vorschrift muss der Rohstoff zu 100 Prozent aus Fairem Handel stammen. Darüber hinaus muss er relevant für das Endprodukt sein, wenn das Siegel auf dem Produkt abgebildet werden soll. Hier kommt es auf die genauen Absprachen und Regelungen zwischen Fairtrade und den beteiligten Unternehmen an.

Zusätzlich kann auch das Prinzip des Mengenausgleichs in Kraft treten. Das heißt nach den Kriterien von Fairtrade International, dass für die Verarbeitung von Rohstoffen wie Fairtrade-Kakao auf die physische Rückverfolgbarkeit verzichtet werden kann, wenn durch eine detaillierte Dokumentation nachgewiesen wird, dass der Rohstoff fair gehandelt ist. Wir befürchten hier, dass Verbraucher diese Regelungen nicht mehr nachvollziehen können und sie sich vom Fairen Handel enttäuscht fühlen.

Frage: Laut Fairtrade Deutschland liegen schon erste Kooperationsverträge mit Mars, der Rewe Group, Lidl und Kaufland vor. Wird das neue Kakao-Programm die Absatzchancen für Kleinbauern erhöhen?

Roth: Wenn diese Unternehmen ihre Versprechen einhalten, dann liegt in dem Programm sicher ein verstärktes Absatzpotential. Fairtrade Deutschland erwartet von seinen Partnern einen Drei-Jahres-Plan, der relevante Erhöhungen der Absatzmengen und weitere Ziele zur Unterstützung der Produzenten enthalten soll. Es kommt darauf an, wie ernsthaft die Programme von den Unternehmen letztendlich umgesetzt werden.

Frage: Obwohl der Umsatz von Fairtrade-Produkten seit 10 Jahren stetig wächst, sind die Marktanteile von Fairtrade-Produkten immer noch recht gering. Wie lässt sich das ändern?

Roth: Generell brauchen wir eine stärkere öffentliche Diskussion zu Ernährung und Konsum. Lebensmittel sind Mittel zum Leben. Sie sollten uns daher auch mehr wert sein, zumal ein großer Kosten- und Arbeitsaufwand dahinter steckt. In Deutschland nimmt das Bewusstsein dafür langsam zu, während man in europäischen Nachbarländern deutlich mehr für Lebensmittel allgemein und auch deutlich mehr für fair gehandelte Produkte ausgibt.

Nicht von ungefähr lautet eines der Gesellschafterziele der GEPA, zu kritischem Konsum aufzuklären und zu motivieren. Politisches Engagement und Lobbyarbeit sind ebenfalls unverzichtbar. Das Forum Fairer Handel, das von der GEPA mitgegründet wurde, hat beispielsweise im letzten Jahr die Offenlegung globaler Lieferketten gefordert. Unternehmen sollten dabei für Arbeitsrechtsverletzungen weltweit haftbar gemacht werden. Und nicht zuletzt brauchen wir immer wieder innovative und spannende Produkte, die bei Verbrauchern ankommen und gleichzeitig zeigen, wie man es „anders“ machen kann – unsere erste Schokolade mit fairer Milch aus dem Norden ist da nur ein Beispiel.

Das Interview führte Lena Kretschmann.

GEPA – The Fair Trade Company

Die 1975 gegründete Importorganisation steht für einen sozial- und umweltverträglichen Handel. Sie arbeitet nach wirtschaftlichen Prinzipien, verfolgt dabei aber soziale Ziele. Ihre Produkte stammen von rund 160 Genossenschaften und Vermarktungsorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Gesellschafter sind Misereor, Evangelischer Entwicklungsdienst und Brot für die Welt, Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, BDKJ und aej.

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