Licht und Schatten vor den Winterspielen

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  • Bonn - 05.02.2014

Vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi hat die katholische Deutsche Bischofskonferenz die kritische Debatte über Russlands Politik und Menschenrechtsfragen gerechtfertigt. Zugleich warnte sie davor, die Olympiade durch politische Diskussionen vollständig zu überschatten.

„Die Olympische Charta selbst versteht die Spiele als Beitrag zu einer gerechteren Welt. Hier ist ein Maßstab formuliert, an dem sich auch die Staaten, in denen die Spiele stattfinden, messen lassen müssen“, erklärte der in der Bischofskonferenz für Sportfragen zuständige Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters am Mittwoch in Bonn unter Verweis auf die „als übergriffig empfundene Politik Russlands gegenüber der Ukraine, autoritäre Regierungsführung, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und Defizite bei den Menschenrechten.“

Zugleich betonte Peters, die Spiele in Sotschi seien für die Sportler und alle Freunde des Wintersports „ein Fest, das auch mit einem gewissen Maß an Unbeschwertheit gefeiert werden darf“. Der Sport sei auch eine großartige Brücke zwischen Menschen und Völkern. Niederlagen und Siege gemeinsam zu erleben, verbinde Menschen. „Und – wie auch Papst Franziskus oft betont – Kirche muss da hin, wo die Menschen sind. Das ist unser Auftrag“, so Peters.

Sportverband und Menschenrechtler befeuern Debatte um Sotschi

Mit Blick auf die Winterspiele in Sotschi hatten sich in den vergangenen Tagen unter anderem der deutsche katholische Sportverband DJK und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisch geäußert.

So forderte DJK-Präsident Volker Monnerjahn schärfere Vorgaben für die Veranstalter solcher Großereignisse. Wer ein Sport-Großereignis ausrichten wolle, solle sich künftig auf nachprüfbare Maßnahmen etwa zu Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung verpflichten, sagte Monnerjahn in einem vorab veröffentlichten Interview der Münsteraner Kirchenzeitung „Kirche+Leben“.

Zudem sprach sich der DJK-Präsident dafür aus, Großereignisse nicht in Länder zu vergeben, denen „schwere Menschenrechtsverletzungen“ vorgeworfen oder nachgewiesen werden. Das Problem hierbei sei jedoch die Grenzziehung. Der DJK-Präsident forderte, das Internationale Olympische Komitee (IOC), der Fußball-Weltverband FIFA und andere Organisationen sollten sich in dieser Frage von den Vereinten Nationen und von Menschenrechtsorganisationen beraten lassen.

Vorwürfe gegen das Olympische Komitee

In der vergangenen Woche hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Vorwürfe gegen das Olympische Komitee erhoben. Dieses sei mitverantwortlich für Menschenrechtsverletzungen in einem Gastgeberland. Mitarbeiter der Organisation hätten in Sotschi „massive Menschenrechtsverletzungen“ dokumentiert, sagte Human Rights Watch-Sprecher Wolfgang Büttner am vergangenen Mittwoch in Berlin.

Zu den Menschenrechtsverletzungen zählten die Situation der Arbeitsmigranten, Enteignung der ansässigen Bevölkerung zugunsten von olympischen Gebäuden, Umweltzerstörung sowie die Diskriminierung von Homosexuellen, so Human Rights Watch. Das IOC bekenne sich in seiner Charta zu den Menschenrechten, habe aber auf die Vorwürfe von internationalen Gruppen zu spät reagiert, so Büttner.

Die Winterspiele in und um den Badeort am Schwarzen Meer beginnen am 7. Februar. Sie gelten mit geschätzten Investitionskosten von mehr als 40 Milliarden Euro als das teuerste Sportereignis aller Zeiten. Für den Bau der Sportanlagen sollen Schätzungen zufolge 100.000 Arbeiter im Einsatz gewesen sein. Bei etwa der Hälfte handelte es sich um Gastarbeiter aus Zentralasien, denen nach Angaben von Menschenrechtlern vielfach offizielle Arbeitsdokumente verwehrt wurden. Oftmals seien sie zudem mit Gewalt ausgewiesen worden. (lek mit KNA)

Renovabis stattet Andachtsräume in Sotschi aus

In den drei olympischen Dörfern ist für die Sportler-Teams jeweils eine katholische Kapelle eingerichtet worden. Das Olympische Komitee stellt eine einfache Grundmöblierung mit Altartischen, Stühlen sowie Unterkunft und Verpflegung für insgesamt 10 Geistliche und Freiwillige. Die übrige Ausstattung muss die Diözese organisieren. Hier ist das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis tätig geworden. Hören Sie hier ein Interview mit Renovabis-Sprecher Burkhard Haneke im Münchner Kirchenradio:

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