„Weg des Terrors“

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  • Kiew - 03.02.2014

Die griechisch-katholischen Bischöfe der Ukraine haben vor einem „Weg des Terrors“ seitens der Regierung gewarnt und sich hinter die Opposition gestellt. In einem am Sonntag in den Gottesdiensten verlesenen Hirtenbrief zollen sie den Demonstranten, die in Kiew und anderen Städten für eine bessere Zukunft des Landes auf die Straße gehen, Respekt und Dankbarkeit. Diese Menschen zeichne eine politische und geistige Reife aus.

Die Führung des Landes dagegen sei auf einem „gefährlichen Weg des Terrors und der Diktatur“, schreiben die Bischöfe. Statt auf das Volk zu hören, setze die Regierung auf Schlagstöcke und Schusswaffen. Es sei „beschämend“, dass die Behörden mit kriminellen Söldnern zusammenarbeiteten, die „Pogrome“ verübten und neben Demonstranten auch Ärzte und Journalisten und sogar Kinder angriffen. Die gewaltsame Unterdrückung von friedlichen Bürgern sei entschieden zu verurteilen.

„Stoppt das Blutvergießen“

Die Kirche unterstütze das Recht der Menschen auf friedlichen Protest. „Wir fordern mit Nachdruck alle Seiten auf: Stoppt das Blutvergießen“, so die Bischöfe. Die Führung des Landes riefen sie auf, das Volk zu respektieren und keine Gewalt gegen die eigenen Leute anzuwenden. Zugleich bitten die Bischöfe die Gläubigen, jeden Abend um 21 Uhr für die Ukraine zu beten und einmal die Woche zu fasten.

Katholische Hilfswerke in Deutschland, Polen und den USA – darunter auch das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis und Kirche in Not – haben in der vergangenen Woche ihre Solidarität mit der ukrainischen Kirche bezeugt. Gleichzeitig wiesen sie jedoch jegliche Parteinahme von sich. „Wir wollen die Rolle der christlichen Kirchen als friedensstiftende Kraft in der Ukraine stärken, unsere Solidarität zeigen, unterstützen aber keine politische Position oder Partei“, erklärte Johannes Freiherr Heereman, geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not“. Er äußerte sich nach einem Treffen mit Vertretern von Renovabis sowie von Osteuropa-Hilfsinitiativen der polnischen und U.S.-amerikanischen Bischofskonferenz in Königstein.

Straßenschlachten zwischen Regierungsgegnern und Polizisten

In der Ukraine protestieren seit Ende November Regierungsgegner gegen die Politik von Staatspräsident Viktor Janukowitsch. Bei Straßenschlachten zwischen Regierungsgegnern und Polizisten gab es mindestens vier Tote. Das Parlament hob zuletzt mehrere umstrittene Gesetze auf, die unter anderem das Demonstrationsrecht einschränkten.

Zudem beschloss es eine Amnestie für inhaftierte Regierungsgegner unter der Bedingung, dass die Opposition die von ihr besetzten Regierungsgebäude räumt. Zu dieser Entwicklung nehmen die griechisch-katholischen Bischöfe in ihrem Hirtenbrief nicht Stellung. Der mit Rom verbundenen Kirche gehören nach eigenen Angaben etwa 5,5 Millionen der knapp 46 Millionen Ukrainer an. (lek mit KNA)

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