Geld allein macht nicht glücklich

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  • Bonn/Aachen - 29.01.2014

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt seit Langem als wichtigste Größe, um sich ein Bild über den Wohlstand eines Landes zu machen. Es erfasst alle Waren und Dienstleistungen, die jährlich innerhalb der Landesgrenzen produziert werden. Viele wichtige Aspekte, die das Leben der Menschen prägen, bleiben dabei unberücksichtigt – so wie Bildung, Gesundheit, Lebenszufriedenheit oder Umwelt.

Aus diesem Grund veröffentlicht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit 2011 den Better Life Index . Seit Anfang dieses Jahres ist der neue Wohlstandsindikator auch auf Deutsch verfügbar.

Auf der Webseite www.oecdbetterlifeindex.org können Nutzer das Leben in den 34 OECD-Mitgliedsländern sowie in Brasilien und Russland vergleichen und dabei die elf Themenfelder, aus denen sich der Better Life Index zusammensetzt, individuell gewichten. Gemessen werden unter anderem die Kriterien Bildung, Umwelt, zivilgesellschaftliches Engagement, Gesundheit, Einkommen, Lebenszufriedenheit und Sicherheit.

Auf diese Weise erfahren die Nutzer, „wo auf der Welt sie die besten Chancen hätten, ein Leben zu führen, das ihren persönlichen Vorstellungen von Glück und Zufriedenheit entspricht“, heißt es auf der Webseite der OECD.

Misereor-Referent Georg Stoll Misereor

Misereor: Auf die Praxis kommt es an

Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor begrüßt die Veröffentlichung des neuen Wohlstandsindikators der OECD. „Die breitere Sicht auf die Lebenswirklichkeit, wie der Index sie bietet, kann dazu beitragen, die ökologisch und sozial schädliche Fixierung auf Wirtschaftswachstum zu lockern“, erklärt Georg Stoll aus der Misereor-Abteilung „Politik und Globale Zukunftsfragen“ gegenüber dem Internetportal Weltkirche.

Viel wichtiger als die Methodik sei jedoch der praktische Einsatz solcher Instrumente in Politik und Wirtschaft. In diesen Bereichen würden Indices wie der „Better Life Index“ bisher nur als weiche Themen wahrgenommen. „Hier spielt leider auch die OECD keine förderliche Rolle, propagiert sie gegenüber ihren Mitgliedsstaaten doch in erster Linie weiteres Wirtschaftswachstum“, beklagt Stoll.

Kritik äußert der Misereor-Experte auch an der Präsentation des OECD-Index im Internet. Die Webseite lege nahe, „dass es sich hier nicht um ein Instrument mit Anspruch zur Politikgestaltung handelt, sondern eher um ein unverbindliches Online-Spielzeug“, so Stoll.

Gesellschaftliche Debatte um Nachhaltigkeit

„Was hingegen Not tut, ist eine gesellschaftliche Debatte darüber, was uns in Hinblick auf Lebensqualität wichtig ist.“ Eine solche Debatte sei gerade in einer Situation wichtig, so Stoll, in der Industrie-, Schwellen- und Niedrigeinkommensländer um gemeinsame Lösungen darum rängen, wie globale Gemeingüter nachhaltig und gerecht genutzt und verwaltet werden könnten.

Mit der Fastenaktion 2014 möchte das Hilfswerk ebendiese gesellschaftliche Debatte befeuern. Unter dem Motto „Mut ist, zu geben, wenn alle nehmen“ beleuchtet Misereor die Zusammenhänge zwischen dem Lebensstil der Menschen in den Industriestaaten und der weitverbreiteten Armut in den Entwicklungsländern. Zugleich versucht das katholische Hilfswerk, politische Lösungsstrategien für die weltweite Hunger-Problematik zu entwickeln.

Von Lena Kretschmann

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