Syrien: Hilfsorganisationen drängen auf friedliche Lösung

  • Freiburg/Bonn - 21.01.2014

Deutliche Verbesserungen für die Humanitäre Hilfe in Syrien erwartet das katholische Hilfswerk Caritas international von den bevorstehenden Friedensgesprächen in Montreux. „Sieben Millionen Syrer sind dringend auf Hilfe angewiesen. Viele dieser Notleidenden können aber gar nicht versorgt werden, weil sie in ihren Städten eingekesselt sind. Es ist das Schicksal dieser Menschen, über das in den nächsten Tagen am Verhandlungstisch entschieden wird“, so Oliver Müller, Leiter von Caritas international, im Vorfeld der Konferenz.

Drei Jahre nach Beginn des Bürgerkriegs nimmt nach Einschätzung von Caritas international die Verelendung der syrischen Bevölkerung immer mehr zu. Jeder zweiter Syrer leide unter den Kriegsfolgen. Die große Mehrheit der Bevölkerung ist nach Schätzungen der Caritas Syrien ohne Arbeit und damit ohne Einkommen. Landwirtschaft und industrielle Produktion seien weitgehend zum Erliegen gekommen.

Humanitäre Hilfe unter Lebensgefahr

Das Caritas-Hilfswerk forderte einen Waffenstillstand sowie die Zulassung weiterer internationaler Helfer durch Syrien. Derzeit seien Hilfen nicht flächendeckend und nur unter Lebensgefahr möglich. Mehrere Mitarbeiter von syrischen Caritas-Partnern seien bereits verletzt, gefoltert oder entführt worden.

Hilfswerk-Chef Müller: Hilfe für Syrien ist gefährlich

Oliver Müller von Caritas international über die Arbeit des Hilfswerks in Syrien

lukassek, tesoro

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes , arbeitet in Syrien über offizielle und inoffizielle Partnerstrukturen unter anderem in Damaskus, Aleppo, Hama, Homs, Hassaké und am Küstenstreifen des Mittelmeeres. Opfer der Gewalt werden unter anderem mit Nahrungsmitteln, medizinischer Hilfe, Hygieneartikeln, Decken, Matratzen und Mietbeihilfen versorgt. In Jordanien und Libanon hat die Caritas entlang der syrischen Grenze zudem zwölf Flüchtlingszentren eingerichtet.

Schwerste humanitäre Krise seit Jahrzehnten

Das Syria INGO Regional Forum (SIRF) appellierte am Montag an die internationale Gemeinschaft, auf der Friedenskonferenz in der Schweiz alles dafür tun, um eine politische Lösung der Syrienkrise zu erreichen. Die SIRF ist eine Koalition internationaler Nichtregierungsorganisationen, darunter Ärzte der Welt, CARE Deutschland-Luxemburg, Handicap International, Save the Children und World Vision Deutschland.

Die SIRF sprach von der schwersten humanitären Krise seit Jahrzehnten. „Fast drei Jahre nach Beginn muss das Leid von Millionen von Menschen die Verhandlungsparteien zu einer schnellstmöglichen, friedlichen Lösung antreiben. Jeder Tag, der ohne eine Lösung des Konfliktes vergeht, stürzt immer mehr Menschen noch tiefer in Hunger und Armut“, erklärte Care-Generalsekretär Karl-Otto Zentel.

Nach seinen Angaben wurde innerhalb Syriens ein Drittel der Bevölkerung – rund sechs Millionen Menschen – aus ihren Häusern vertrieben. Das Gesundheitssystem sei in weiten Teilen des Landes zusammengebrochen. In den Nachbarländern hätten sich bisher mehr als 2,3 Millionen Syrer bei den Vereinten Nationen registriert, inoffiziell werde jedoch von mindestens 4,5 Millionen Flüchtlingen ausgegangen, die in Syriens Nachbarländer geflohen sind, hieß es.

Nach neuesten Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen zehn Millionen Menschen innerhalb Syriens und der umliegenden Region dringend humanitäre Hilfe. In den letzten Wochen machten Winterstürme und Temperaturen um den Gefrierpunkt das Überleben für Flüchtlinge noch schwieriger. (lek mit KNA)

Spenden

Für ihre Hilfsprogramme ruft Caritas international zu Spenden auf. Spenden mit dem Stichwort „Nothilfe Syrien“ werden erbeten auf:

Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205 00,

oder online unter

www.caritas-international.de

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