Ordensleute bleiben vorerst im Südsudan

  • Juba - 17.01.2014

Die Lage im Südsudan verschlechtert sich weiter . Zwei Jahre nach der Unabhängigkeit kommt das Land nicht zur Ruhe. Bei dem Konflikt in einer der ärmsten Regionen der Erde geht es um die Kontrolle der Erdölgewinne, die 98 Prozent des Staatshaushaltes ausmachen. Bereits sieben der zehn Staaten des Landes sind von den Kämpfen zwischen Anhängern von Präsident Salva Kiir und dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar betroffen.

Die humanitäre Lage ist dramatisch. Das ohnehin politisch instabile Land steht durch den aktuellen Konflikt vor einer Katastrophe, die es alleine nicht mehr bewältigen kann. Um die Aktivitäten im Südsudan zu bündeln, haben sich vor einigen Jahren mehr als 200 Frauen- und Männerorden zur Initiative Solidarity with South Sudan zusammengeschlossen. Die Ordensleute sind entschlossen, trotz der Spannungen weiter im Land zu bleiben. „Solidarisch zu sein heißt, mit dem Volk eins zu sein“ sagt Sr. Cathy Arata, eine Ordensfrau aus New Jersey in einem Telefoninterview aus der Hauptstadt Juba. „Es bedeutet, in dieser furchtbaren Zeit im Glauben an der Seite der Menschen zu stehen.“

„Solidarisch zu sein heißt, mit dem Volk eins zu sein.“

— Sr. Cathy Arata
85 % der erwachsenen Südsudanesen können nicht lesen und schreiben. Die Ordensgemeinschaften helfen mit Kursen zur Erwachsenenalphabetisierung. Angela Hellmuth/Jesuitenmission

Die Ordensleute bleiben auch, weil sie von vielen Seiten darum gebeten werden. Sie sind für die Hilfe vor Ort unverzichtbar. „Wir bleiben. [...] Wenn er (der Bischof, Anm. d. Red.) nicht sagt, dass wir gehen sollen, bleiben wir.“ schreibt Sr. Isabel Sabu SSpS, Steyler Missionsschwester aus Yei im Südsudan, an ihre Mitschwestern. In ihrem Brief berichtet sie von auseinander gerissenen Familien, die tagelang getrennt voneinander auf der Flucht sind und nicht wissen, ob sie einander jemals wiederfinden.

Pfarrzentrum als Flüchtlingslager

Neben den afrikanischen Schwestern leben auch drei Deutsche Steyler Missionarinnen im Land. Auch die Salesianer Don Boscos , die an sechs Standorten im Südsudan aktiv sind, melden schreckliche Ereignisse. Ihr Pfarrzentrum in Juba ist zu einem Flüchtlingslager umfunktioniert worden und kann den großen Flüchtlingsströmen kaum standhalten. Die Menschen sind unter unvorstellbaren Bedingungen auf der Flucht. Vor ein paar Tagen hat eine Frau auf der Schwelle des Lagers, kaum, dass Sie es betreten hatte, ein Kind zur Welt gebracht.

Wie verfahren die Situation ist, zeigt die Anweisung der Regierenden, die Leichen auf den Straßen liegen zu lassen, um nicht durch Beerdigungs-Zeremonien andere Ethnien oder Religionen zu provozieren. Bereits im Dezember äußerten die katholischen und anglikanischen Bischöfe in einem Friedensappell die Sorge, dass der politische Konflikt auch zu einem ethnischen Problem wird.

Militär statt Ausbildung

Die Don Bosco Mission engagiert sich im Südsudan vorwiegend im Bereich Bildung und Ausbildung. Leider verlieren sie derzeit Jugendliche aus den Ausbildungsbetrieben an das Militär. Je weniger Zukunftsperspektiven sich im Südsudan bieten, umso mehr ist das Militär die einzige Möglichkeit, an Nahrung zu kommen. Die Salesianer arbeiten in dem Gebiet eigentlich auch mit Volunteers, diese haben Sie allerdings aus den betroffenen Regionen bereits evakuiert.

Unter den Ordensleuten, die im Südsudan helfen, sind auch einige Deutsche. Vier Comboni-Missionare berichten auf ihrer Internetseite über die Lage in ihrer Region. Pater Gregor Schmidt arbeitet in Old Fangak im Norden des Landes, östlich der Ölfelder. Dort ist es aufgrund der geografischen Lage in einer Schleife des Nils relativ ruhig. Rings herum allerdings herrscht Verwüstung. So berichtet er von bisher 200.000 Flüchtlingen und Tausenden von Toten. (SSpS/SDB/MCCI/DOK)

Mit freundlichem Dank für die Abdruckgenehmigung an orden.de .

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