„Süße Früchte – gut für alle?“

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  • Berlin - 16.01.2014

Der honduranische Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga sieht weltweit das Recht auf Nahrung und Arbeit missachtet. Vor allem die großen Industrienationen seien offenbar nicht bereit, für Chancengleichheit und Gerechtigkeit in den globalen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu sorgen, beklagte er. Der Erzbischof von Tegucigalpa und Präsident von Caritas Internationalis äußerte sich am Donnerstag auf einer Fachtagung der katholischen Organisation Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden) zu Agrarhandel und Armutsbekämpfung in Berlin.

Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros, erklärte mit den Worten „Agrarproduktion und Agrarhandel so gestalten, dass Hunger- und Armutsbekämpfung gelingen können“ das Ziel der der internationalen Fachtagung. „Dabei stellen wir diejenigen in den Mittelpunkt, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, die kleinbäuerlichen Familien sowie die Landarbeiterinnen und Landarbeiter“, so Jüsten. Gut sei das Geschäft mit den süßen Früchten erst dann, wenn es nicht nur dem Handel und den Verbrauchern, sondern auch den Produzenten Nutzen bringe.

Wander- und Landarbeitern leiden häufig unter Ausbeutung

Nach den Worten von Rodriguez muss das Recht auf Ernährung und menschenwürdige Arbeit dem Gewinnstreben der Unternehmen Grenzen setzen. Für mehr als zwei Milliarden Menschen sei das von der UNO festgeschriebene Recht auf Zugang zu Nahrungsmitteln, beziehungsweise diese anzubauen oder zu erwerben, keine Realität. Vor allem die Wanderarbeiter aus ärmeren Ländern lebten auf der Suche nach Arbeit oft in nahezu rechtsfreien Räumen.

Aufgrund der wirtschaftlichen Not komme es in vielen Entwicklungsländern geradezu zu einem „Export“ der jungen Generation, führte der Kardinal aus. Die Ausbeutung von Wander- und Landarbeitern durch Niedriglöhne und oft gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen nannte er einen Skandal. UN- oder multinationale Konferenzen hätten bisher nicht zu konkreten Ergebnissen und Vereinbarungen in der Weltwirtschaft und im Finanzsektor geführt, bedauerte Rodriguez.

Sozialethische Kriterien für alle Markt-Akteure

Prof. Dr. Johannes Wallacher von der Hochschule für Philosophie München forderte, dass sozialethische Kriterien für alle Akteure am Markt, also für Handel, Unternehmen, Produzenten und Verbraucher, gelten müssten, damit es einen nachhaltigen Nutzen für alle gebe. Dem Staat komme eine wichtige Rolle in der Umsetzung menschenrechtlicher Standards zu.

An der internationalen Fachtagung nahmen nicht nur kirchliche Akteure, sondern auch Verantwortliche aus dem Bundestag und der EU-Kommission sowie Vertreter von Handelsunternehmen, wie der Rewe-Gruppe, und Gewerkschaftsvertreter teil. (lek mit KNA/Justitia et Pax)

Link-Tipp

Mehr zum Thema erfahren Sie auf der Webseite der Deutschen Kommission Justitia et Pax:

www.justitia-et-pax.de

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