Fleischhunger auf Kosten der Armen

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  • Berlin/Aachen - 10.01.2014

Der wachsende globale Fleischkonsum gefährdet die Nahrungsmittelversorgung Ärmerer. Das geht aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Fleischatlas 2014 hervor. Die von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) herausgegebene Expertise stellt Daten und Tendenzen zur Nutztierhaltung und zum Fleischkonsum zusammen.

Nach Einschätzung von Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, wird das Futter für die wachsende Fleischproduktion zu einem drastischen Anstieg der Land- und Nahrungsmittelpreise führen. „Die Zeche für den globalen Fleischhunger zahlen die Armen, die von ihrem Land verdrängt werden und sich aufgrund der hohen Preise weniger Nahrung leisten können“, prognostizierte Unmüßig.

Laut Studie werden bis Mitte dieses Jahrhunderts weltweit jährlich fast 470 Millionen Tonnen Fleisch produziert – 150 Millionen Tonnen mehr als heute. Damit gehe ein drastisch wachsender Flächenverbrauch für Futtermittel einher: Allein der Bedarf an Sojafuttermitteln zur Mästung würde von derzeit 260 Millionen auf mehr als 500 Millionen Tonnen pro Jahr steigen. Den größten Boom erwarten die Experten in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften.

Expandierender Futtermittelanbau mit fatalen Folgen

Die Studie verweist auf Erhebungen der UN-Agrarorganisation FAO, wonach die Nutztierhaltung derzeit 70 Prozent der globalen Acker und Weiden beansprucht. Ein Grund sei der hohe Anteil an eiweißhaltigem Kraftfutter. „Schon heute wandert allein für die europäische Fleischproduktion Soja von umgerechnet 16 Millionen Hektar Land in die Tröge“, heißt es in der Studie.

Die BUND-Agrarexpertin Reinhild Benning wies auf Belastungen durch den expandierenden Futtermittelanbau hin: „Die Folgen sind fatal, wertvolle Regenwälder gehen verloren, Böden und Gewässer werden mit Pestiziden belastet und die Preise für Grundnahrungsmittel steigen aufgrund knapper werdender Agrarflächen.“

Misereor kritisiert Export von Billigfleisch in Entwicklungsländer

Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor kritisierte mit Blick auf den Fleischatlas 2014 den starken Export von billigem Fleisch aus Deutschland in Entwicklungsländer, mit denen die dortigen Erzeuger nicht konkurrieren könnten. Damit werde der Aufbau lokaler Märkte behindert, was zu Armut und Hunger bei Einheimischen führe, sagte ein Misereor-Sprecher. Jährlich etwa 2,4 Millionen Tonnen und damit fast die Hälfte des in Deutschland produzierten Schweinefleisches werde im Ausland verkauft. Ein Teil dieses Fleisches gehe zum Beispiel in Länder wie Ghana oder Elfenbeinküste. (lek mit KNA)

Demo: Wir haben Agrarindustrie satt!

Am 18. Januar 2014 ruft das Netzwerk „Wir haben es satt!“ in Berlin zu einer Demonstration für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft auf. Zu den Trägern des Netzwerks zählen unter anderem das Bischöfliche Hilfswerk Misereor, „Brot für die Welt“ und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

www.wir-haben-es-satt.de

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