Kirche: Gewalt in Zentralafrika ein Ende setzen

  • Bangui/Bonn - 12.12.2013

Die Nachrichten aus der Zentralafrikanischen Republik sind alarmierend. Nach neusten Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sollen mittlerweile innerhalb des Landes über eine halbe Millionen Menschen auf der Flucht sein. Nach UN-Angaben hätten allein in der vergangenen Woche mehr als 100.000 Menschen in der Hauptstadt Bangui ihre Heimat verlassen müssen – aus Furcht vor den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Ex-Seleka-Rebellen und den Anti-Balaka-Milizen.

Die katholische Kirche Zentralafrikas hat die Konfliktparteien bereits mehrfach zu einer Waffenruhe aufgerufen. Sie verurteilt die Übergriffe beider bewaffneter Gruppen auf die Zivilbevölkerung aufs Schärfste. Zugleich warnten die Bischöfe in einem am Wochenende veröffentlichten Schreiben davor, die Zentralafrikaner entsprechend ihrer Religionszugehörigkeit gegeneinander aufzuwiegeln. „Wir weisen jedoch erneut darauf hin, dass nicht alle Anti-Balaka-Milizen Christen sind und nicht alle Christen Anti-Balaka-Milizen“, so die Bischöfe. Gleiches gelte auch für die ehemaligen Seleka-Rebellen und die Muslime.

Interreligiösen Dialog fördern

In ihrem Schreiben betonten der Erzbischof der Hauptstadt-Diözese Bangui, Dieudonne Nzapalainga , und der Bischof von Bossangoa, Nestor Desire Nongo Aziagbia, mit Nachdruck, dass „Gewalt und interreligiöse Konflikte im Widerspruch dazu stehen, was wir im Glauben bekennen“. Um „den exzessiven und unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt“ zu stoppen und wieder Frieden im Land zu stiften, müsse der interreligiöse Dialog gefördert werden. Ebenso forderten die Kirchenvertreter die Wiederaufstellung einer Staatsarmee zum Schutz der Bevölkerung und einen entschiedenen Kampf gegen die Straffreiheit.

Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt angesichts der andauernden Kämpfe vor einer weiteren Eskalation der Gewalt. „Wir beobachten mit großer Sorge einen Kreislauf der Gewalt, der sich immer mehr beschleunigt und nur schwer einzudämmen ist“, sagte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. Sowohl Christen als auch Muslime würden in der Zentralafrikanischen Republik Opfer willkürlicher Gewalt: Mehr als 500 Menschen seien seit vergangenem Donnerstag bei gewaltsamen Übergriffen von Milizen auf Wohnviertel sowie zwischen verfeindeten Rebellengruppen getötet worden.

EU richtet Luftbrücke ein

Indes hat die Europäische Union am Montag eine Luftbrücke zur Versorgung der Zivilbevölkerung Zentralafrikas eingerichtet. Wie die Europäische Kommission Anfang der Woche berichtete, werde ein Transportflugzeug des europäischen humanitären Flugdienstes ECHO täglich Hilfseinsätze zwischen Douala in Kamerun und der zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui fliegen.

Die für humanitäre Hilfe zuständige Kommissarin Kristalina Georgieva erklärte, der Bedarf an Hilfsgütern werde in der nächsten Zeit enorm bleiben. „Die EU hat ihre Hilfe inzwischen auf 20 Millionen Euro verdoppelt, aber es ist klar, dass viel mehr Geld benötigt werden wird", so Georgieva.

Seit dem Sturz von Staatspräsident Francois Bozize im Frühjahr versinkt die Zentralafrikanische Republik mit ihren 5,2 Millionen Einwohnern im Chaos. Frankreich und die Afrikanische Union haben Soldaten entsandt, um den Konflikt einzudämmen; die USA stellten Flugzeuge für Truppentransporte bereit. Frankreich will insgesamt 1.200 Einsatzkräfte in die Zentralafrikanische Republik entsenden.

Von Lena Kretschmann (mit Material von KNA)

Information

Ein Hintergrundpapier des Netzwerks Afrika Deutschland (NAD) zur Machtübernahme in der Zentralafrikanischen Republik können Sie hier als Word-Dokument herunterladen.

www.netzwerkafrika.de

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