Mehr Einsatz für Menschenrechte

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  • Bonn - 10.12.2013

Heute vor 65 Jahren verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte . Alljährlich nehmen Menschenrechtsorganisationen, Hilfswerke, Politiker und Kirchenvertreter den heutigen internationalen Tag der Menschenrechte zum Anlass, um einen kritischen Blick auf die Menschenrechtslage weltweit zu richten und auf Missstände aufmerksam zu machen.

So mahnte der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax , Bischof Stephan Ackermann, an, dass der Schutz der Menschenwürde in der aktuellen Debatte um die Flüchtlings- und Asylpolitik stets im Vordergrund stehen müsse. „Über die komplexen juristischen und politischen Detailfragen der Sicherung von Grenzen dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass wir uns bei der Beurteilung aller Maßnahmen und staatlichen Programme leiten lassen müssen von der Frage, wie wir den Schutz der Menschenwürde am besten gewährleisten können“, erklärte der Trierer Oberhirte in Bonn. Ohne Besinnung auf die Menschenwürde bestehe die Gefahr, dass die Rechte verletzt werden, die einem jedem Menschen um seines Menschseins willen zukommen – gleich ob Afrikaner oder EU-Bürger, betonte Ackermann.

Ähnlich äußerte sich der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte. Immer noch würden in vielen Ländern Menschen aufgrund ihrer religiösen oder politischen Überzeugung, Herkunft oder Sexualität diskriminiert.

Politiker aller Parteien bekräftigten am Montag die Bedeutung der UN-Deklaration. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), zeigte sich solidarisch mit den Aktivisten in aller Welt. Besonders denke er dabei derzeit „an alle, die für eine europäische Ukraine auf die Straße gehen“.

Bischof Dr. Stephan Ackermann ist Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax (Gerechtigkeit und Frieden). KNA

Venro: Recht auf soziale Sicherheit umsetzen

Nichtregierungsorganisationen mahnten die Politik unterdessen zu mehr Engagement. So forderte der Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen ( Venro ) die neue Bundesregierung dazu auf, das Recht auf soziale Sicherheit zu einem Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit zu machen. „Ohne den Aufbau sozialer Sicherungssysteme können Armut nicht überwunden und soziale Menschenrechte nicht verwirklicht werden“, sagte der Venro-Vorstandsvorsitzender Ulrich Post am Montag in Bonn.

Soziale Sicherheit sei nötig, um für alle einen angemessenen Lebensstandard als Rechtsanspruch durchzusetzen und den Zugang zu Ernährung, Gesundheitsversorgung, Bildung und politischer Teilhabe zu garantieren. „Soziale Sicherheit ist kein Almosen, sondern ein Menschenrecht. Dazu sind staatliche Strukturen erforderlich, die auch das Einklagen dieses Rechts ermöglichen“, betonte Post.

Misereor: Menschenrechtsverletzungen in Bolivien

Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor erinnerte daran, dass es trotz der UN-Deklaration weltweit immer noch tagtäglich zu Menschenrechtsverletzungen käme. Yolanda Herrera, Beraterin für Misereor in Bolivien, betonte zwar, dass alle Artikel der Menschenrechtserklärung in der bolivianischen Verfassung verankert seien. Doch zwischen Theorie und Praxis bestehe eine große Kluft. „Die Rechte der indigenen Völker werden verletzt und auch der Zugang zu einem funktionierenden Rechtssystem ist nicht gewährleistet“, beklagte die Präsidentin der Menschenrechtsorganisation APDHB. Auf Einladung des Auswärtigen Amts ist die Misereor-Beraterin derzeit zusammen mit weiteren Menschenrechtsverteidigern aus Lateinamerika zu Besuch in Berlin.

Missio-Gottesdienst zum Tag der Menschenrechte

Das Internationale katholische Missionswerk Missio in Aachen hat anlässlich des Tags der Menschenrechte am 10. Dezember zu einem Gottesdienst in die Aachener Kirche St. Foillan eingeladen. Dort stellt das Hilfswerk sein neues Gottesdienstformat Aktion Lebenszeichen vor, bei dem die Schicksale von vier bedrängten Christen aus Pakistan, Ägypten, Nigeria und Indonesien im Mittelpunkt stehen. Die Gottesdienstbesucher können mit Materialien von Missio spirituelle Solidarität mit diesen Christen zeigen und sich gleichzeitig über das Menschenrecht Religionsfreiheit informieren.

Der internationale Tag der Menschenrechte erinnert an die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948. In 30 Artikeln verständigte sich die Staatengemeinschaft darin über Rechte, die jedem Menschen zustehen, „ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand“.

Von Lena Kretschmann (mit Material von kna)

Die Kirche – Anwältin für die Menschenrechte

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