Ein Leben für ein Land

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  • Bonn - 06.12.2013

Er war 95 Jahre alt, seit zwei Jahren schwer erkrankt. Der Tod Nelson Mandelas kam nicht überraschend. Und doch ist der Verlust dieses großen Kämpfers für Gerechtigkeit und Frieden deutlich spürbar. In den Nachrufen der katholischen Welt mischen sich Trauer, großer Respekt und die Hoffnung, dass sein Vorbild die Menschen auch nach seinem Tode leiten möge.

Papst Franziskus würdigte in einem Kondolenzschreiben an den südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma den „unerschütterlichen Einsatz Mandelas für die Würde der Menschen in seinem Land“ und für ein neues Südafrika des Friedens, der Versöhnung und der Wahrheit. Er bete darum, dass sein Beispiel Generationen von Südafrikanern dazu inspiriere, Gerechtigkeit und das Wohl der Gemeinschaft in den Vordergrund ihres politischen Strebens zu stellen.

Versöhnung statt Vergeltung

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erinnerte an Mandelas lebenslangen Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden. Er zähle zweifelsohne zu den großen politischen Persönlichkeiten unserer Generation. „In seiner Lebensgeschichte spiegelt sich die Geschichte eines ganzen Landes wider: die Ungerechtigkeiten der Apartheid, aber auch der demokratische Umbruch, an dessen Spitze Mandela stand“, sagte Zollitsch.

Besonders hob Zollitsch die Verdienste Mandelas um einen friedlichen Versöhnungsprozess in Südafrika hervor: „Dass er sich nicht von Verbitterung, sondern von Hoffnung, nicht von Vergeltung, sondern von dem unbändigen Wunsch nach Versöhnung leiten ließ, machte Mandela schon zu Lebzeiten zu einer Symbolfigur des Friedens von weltweiter Strahlkraft.“ Sein Tod stimme traurig, gleichzeitig bleibe die Hoffnung, dass er eine inspirierende Gestalt auch für zukünftige Generationen bleibe.

„Sie haben ihr Volk zur wirklichen Befreiung geführt und damit die Verantwortung übernommen, andere bei ihrem Bemühen um nationale Aussöhnung und Wiederaufbau zu inspirieren.“

— Johannes Paul II., 1995 in Südafrika

Die katholische Kirche Südafrikas ehrte Nelson Mandela für das Opfer, das er für alle Menschen in ihrem Land gebracht habe, und für die Führung und Inspiration auf dem „Pfad der Aussöhnung“. Obwohl er in seinem Leben viel gelitten und seine Freiheit eingebüßt habe, habe er seine Prinzipien ebenso wenig aufgegeben wie seine Vision eines demokratischen und gerechten Südafrikas, sagte der Erzbischof von Kapstadt, Stephen Brislin.

Die Inkarnation afrikanischer Menschlichkeit

Für Pater Wolfgang Schonecke vom Netzwerk Afrika Deutschland (NAD) stand Mandela für ganz Afrika als eine Inkarnation von „Ubuntu“, der afrikanischen Menschlichkeit. Er sei ein Mensch gewesen, auf den alle Afrikaner mit Stolz blickten, ein Afrikaner, der überall in der Welt als eine überragende Persönlichkeit anerkannt und bewundert wurde, so Schonecke. Für Afrikas Politiker, die oft verbissen und mit allen Mitteln an ihrer Macht festhielten, sei Nelson Mandela das Mahnmal eines Präsidenten, der Macht ausüben, aber auch wieder loslassen konnte.

„Für die ganze Menschheit gibt Nelson Mandelas Leben ein authentisches Zeugnis, dass es möglich ist, auch im extremsten Leid und der brutalsten Unterdrückungssituation seine Würde zu bewahren und die Fähigkeit, auch dem schlimmsten Gegner zu verzeihen“, so Schonecke. Für die Völker, die sich heute in blindem Hass und Gewalt zerfleischten, stehe Mandela als ein Fanal, dass Versöhnung trotz allem immer möglich ist.

„Auch mit einer Umarmung kann man einen politischen Gegner bewegungsunfähig machen.“

— Nelson Mandela

Auch das katholische Hilfswerk Misereor würdigte gemeinsam mit seinen Partnern in Afrika die Verdienste Mandelas. Er sei der Inbegriff der Fähigkeit des Menschen, darauf zu vertrauen, dass man das Schlechte überwinden könne, sagte Mervyn Abrahams, Direktor von PACSA, einer Misereor-Partnerorganisation, die sich seit mehr als 30 Jahren für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit einsetzt.

Fawzia Naidoo von der Organisation „Thabiso Skill“ hob die Menschlichkeit und Authentizität Mandelas hervor. „Er konnte ebenso mit den Menschen auf den niedrigsten gesellschaftlichen Stufen sprechen wie mit Präsidenten und Königen. Er war immer so, wie er war: bescheiden, ehrenwert, respektvoll.“ Misereor hatte sich anlässlich der Fastenaktion von 1983 gegen die Apartheidpolitik der südafrikanischen Regierung gewandt und gemeinsam mit der Ortskirche die offizielle Politik des Landes massiv kritisiert.

Von Janina Mogendorf

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