Misereor fordert Kurswechsel in der Rohstoffpolitik

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  • Berlin - 05.12.2013

Das bischöfliche Hilfswerk Misereor beklagt die Halbherzigkeit des Koalitionsvertrags von CDU/CSU und SPD in der Rohstoffpolitik. Die deutsche Politik müsse ihrer Verantwortung gerecht werden und Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen beim Bergbau in Drittweltländern stärker bekämpfen, erklärte Misereor-Vertreter Armin Paasch am Donnerstag bei einer Fachtagung in Berlin.

Es fehle ein „Kurswechsel“ in der Wirtschaftsförderung, welcher beim weltweit boomenden Bergbau mehr Rücksicht auf die Lage der Menschen vor Ort nehme. Investitionen müssten stärker auch der Armutsbekämpfung dienen, so Paasch.

Auf der gemeinsamen Tagung von Misereor, der evangelischen Aktion Brot für die Welt und Gewerkschaften wurden die Zusammenhänge von Rohstoffförderung und Menschenrechtsverletzungen erörtert. Referenten aus Afrika und Lateinamerika stellten einen Bezug her von steigenden Investitionen westlicher Konzerne auf der einen Seite und Repressionen und Unterdrückung in den betroffenen Gebieten auf der anderen Seite. „Der Bergbau führt zu sozialen Konflikten bis hin zu Mord und einem Raubbau an der Natur“, klagte der Vertreter einer peruanischen Menschenrechtsorganisation CooperAccion, Jose de Echave. Peru sei Deutschlands Hauptlieferant für Kupfer, daraus ergebe sich eine besondere Verantwortung.

„Katalysator für Konflikte“

Die Industrie wies die Kritik zurück. Es gebe „keinen direkten Zusammenhang“ von Bergbau und Menschenrechtsverletzungen, erklärte Andreas Möller, Vertreter der Aurubis AG, die zu den größten Kupferproduzenten weltweit zählt. Vielmehr würden die Investitionen in die Nutzung von Rohstoffen zu mehr Wohlstand in den Ländern führen, so Möller. 20 Prozent der peruanischen Steuereinnahmen resultierten aus dem Bergbau. In instabilen politischen Systemen allerdings könne der Bergbau zu „einem Katalysator für Konflikte“ werden.

Der Vertreter von Brot für die Welt, Sven Hilbig, beklagte hingegen, dass die Landbevölkerung zumeist nicht profitierte, sondern unter dem Bergbau leide. Der Erfolg ausländischer Investitionen in armen Ländern sei nur „makroökonomisch“ messbar, wirke sich aber nicht auf die „Mikro-Situation“ positiv aus. So würden etwa Landwirte aus ihren angestammten Gebieten für die Erschließung neuer Abbaugebiete vertrieben, was ein elementarer Angriff auf die Menschenrechte sei.

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Lese-Tipp:

In einer neuen Studie macht Misereor auf Umweltzerstörungen und Menschenrechtverletzungen im Bergbau in Peru aufmerksam. Das Dokument können Sie hier als PDF herunterladen .