Würdige Arbeitsbedingungen weltweit

  • Münster - 18.11.2013

Wenn Kirche glaubwürdig eintreten will für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, muss sie noch viel mehr als bisher ihre große Nachfragemacht einsetzen. Wenn Kirche einkauft, sollten ökofaire Produkte immer erste Wahl sein, nicht die Ausnahme.“ Die Teilnehmer der diesjährigen Herbsttagung der Christlichen Initiative Romero (CIR) mit dem Titel „Würdige Arbeitsbedingungen weltweit – die Verantwortung der Kirchen“ waren sich einig in dieser Forderung.

Sie alle kommen aus dem Umfeld von Eine-Welt-Läden bzw. -Initiativen der katholischen und evangelischen Kirche. Viele sind schon seit Jahren, manche gar seit Jahrzehnten dabei und werden nicht müde, für den Einkauf ökofairer Produkte zu werben, um so beizutragen zur Überwindung der Ausbeutung von Menschen und Umwelt.

„Vor Ort in vielen Gemeinden passiert schon eine ganze Menge“, wusste auch Melanie Fecke von der Diözesanleitung des BDKJ in Paderborn aus ihren Arbeitserfahrungen zu berichten. Für den BDKJ, der gemeinsam mit der Zeitschrift Publik-Forum Kooperationspartner der CIR bei der Tagung war, stellte sie den diözesanweit ausgeschriebenen Wettbewerb um den Titel „Faire Gemeinde“ vor: „Fast immer ist es zu Anfang das Engagement weniger Einzelner, das dann nach und nach weitere Kreise zieht.“ Diese Erfahrung machte nicht nur Melanie Fecke.

Ökofairer Einkauf

Dass die Einsicht in den Sinn von ökofairem Einkauf nicht von oben „aufgepfropft“ werden kann, sondern von der Basis her wachsen muss, darüber bestand Konsens. Viele Aktive beklagten jedoch, dass sie mit ihrem Engagement nicht bis in die „höheren Etagen“ ihrer Kirchen vordringen: „Es geht darum, auf höherer organisatorischer Ebene – etwa der Leitung eines Bistums auf katholischer Seite und der Landeskirche auf evangelischer Seite – Strukturen zu schaffen, die faires und nachhaltiges Wirtschaften systematisieren und so erleichtern. Bis man dahin komme, müssten weiterhin „dicke Bretter gebohrt werden“, räumten besonders die kirchlichen Mitarbeiterinnen ein.

Einsatz für menschenwürdige Arbeit

In dem Tagungs-Workshop „Kirche als Global Player“ stellte Gertrud Casel, Geschäftsführerin der Deutschen Kommission Justitia et Pax, den Einsatz dieser katholischen Organisation für menschenwürdige Arbeit, gegen Lohndumping und Ausbeutung weltweit vor. Aus dem Teilnehmerinnenkreis kam die Forderung, dass beide Kirchen noch viel mehr als bislang ihre weltweite Präsenz bzw. ihre weltweiten Verbindungen nutzen sollten, um als wirksames Gegengewicht antreten zu können gegen die globalisierte Wirtschaft mit ihrem grenzenlosen Profitstreben.

Studie zur Arbeit in der Orangensaftindustrie

Sandra Dusch Silva von der CIR hat in Brasilien recherchiert und stellte den Tagungsteilnehmerinnen die in diesem Herbst erschienene CIR-Studie über die Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern in der brasilianischen Orangensaft-Produktion vor. Das größte Land Lateinamerikas ist der weltweit größte Hersteller von Orangensaftkonzentrat. Fast alle bei uns verkauften Orangensäfte enthalten Saftkonzentrat aus Brasilien. Drei Mega-Firmen beherrschen den Weltmarkt und entziehen sich bislang jeglicher wirksamer politischer Kontrolle in Bezug auf Arbeitsbedingungen und ökologische Standards. Um das Los der Arbeiterinnen und Arbeiter verbessern zu können, ist einmal mehr eine Doppelstrategie nötig: Fair gehandelten Orangensaft kaufen und von Wirtschaft und Politik auf internationaler Ebene entschiedenes Handeln gegen die ausbeuterischen Firmen einfordern.

Von Regine Kamradt-Leder

© Christlichen Initiative Romero

Christliche Initiative Romero

Die Christliche Initiative Romero (CIR) setzt sich seit 1981 für Arbeits- und Menschenrechte in Ländern Mittelamerikas ein. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Unterstützung von Basisbewegungen und Organisationen in Nicaragua, El Salvador und Guatemala sowie die Kampagnen- und Bildungsarbeit in Deutschland.

www.ci-romero.de