„Das ist Sklavenhandel mit Frauen“

  • Köln/Boppard-Hirzenach - 31.10.2013

Mit der Kampagne Mach den Schluss-STRICH! will die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Solwodi der Prostitution in Deutschland den Riegel vorschieben. Im Interview spricht Solwodi-Gründerin Schwester Lea Ackermann über die Petition und erklärt, warum ein Verbot von Prostitution längst überfällig ist.

Frage: Zunächst einmal die Bilanz der Tatsache, dass Prostitution nun schon seit zehn Jahren ein Beruf wie jeder andere ist.

Ackermann: Also, ursprünglich war das ja nicht deklariert als Beruf wie jeder andere, sondern man hat gesagt, Frauen in der Prostitution müssen sich versichern können. Und da waren wir alle einig, dass das notwendig ist. Aber dass daraus dann doch so eine Praxis wurde, die Prostitution ein Beruf wie jeder andere, das war sicher nicht gewollt und nicht angestrebt von sehr vielen Verbänden. Man wollte ursprünglich nur den Frauen helfen. Wer profitiert hat von diesem Gesetz von 2002, das ich als unglückliches Gesetz in Deutschland sehe, das sind vor allem die Bordellbesitzer, die Zuhälter und die Schleuser und Schlepper, weil sie in den Wellness-Bereich ausweichen konnten und dann noch neue Gruppen von Kunden angezogen haben. Gucken Sie mal: Nicht umsonst konnte der Besitzer des Bordells, des größten Bordells in Stuttgart, wie er sagt, sich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen präsentieren, zeigt auf so ein Wellness-Paradies und sagt, das verdanken wir dem Gesetz von 2002. Wenn dann mal eine Frau für einen Euro versteigert wird, das mag die nicht so gern, aber Geschäft ist Geschäft. Das ist doch unglaublich! Eine Abwertung der Frauen, die es besser gar nicht gibt. Und die Schweden hatten ja auch ein ähnliches Problem und die wollten ja auch auf diese Vermarktung der Frau antworten und haben 2000 ein Gesetz gemacht, dass den Kauf von Sex unter Strafe stellt. Damals hat man gesagt, das bringt überhaupt nichts, doch, das hat sehr viel gebracht. In der Bevölkerung hat ein Umdenken eingesetzt. Man hat gesagt, in der Gesellschaft, wo Männer und Frauen gleichberechtigt sind, kann es nicht sein, dass die eine Hälfte die andere aufkauft. Die sagen, nur Looser zahlen für Sex. Und in Deutschland ist es eine Auswirkung des Gesetzes, dass Deutschland zum Bordell Europas geworden ist.

Frage: Das heißt, die Prostitution zu legalisieren, war ja eigentlich gut intendiert, nämlich dass man Prostituierten auch den Zugang zu den Sozialversicherungen ebnen wollte. Und die Frauen haben davon Ihrer Meinung nach nicht profitiert.

Ackermann: Nein. Und ich meine auch, Prostitution war ja nie verboten in Deutschland. Das war reguliert. Wir haben ein regulierendes System, während die Franzosen schon immer sagen, Prostitution gehört abgeschafft, abolitionistisch, niederschlagend, die wie der Sklavenhandel abgeschafft werden sollte. Da sind uns die Franzosen voraus. Und die Franzosen machen im Moment sehr große Aktionen und sehr große Anstrengungen, um zu sagen, wir setzen uns ein für Europa ohne Prostitution. Und das finde ich auch eine ganz wichtige Zielsetzung.

Frage: Meinen Sie denn, das gesellschaftliche Klima gegenüber Frauen hat sich verändert, auch durch dieses Gesetz in den vergangenen zehn Jahren oder ist das nur eine Randerscheinung?

Ackermann: Nein, ich bin davon überzeugt, dass sich das gesellschaftliche Klima Prostitution und Frauen gegenüber verändert. Schon der kleine Junge kann sehen, was man alles mit Mädchen anfangen kann. Also, ich finde es ganz schrecklich in unserer Gesellschaft: Vor kurzem brachte die Polizei ein junges Mädchen von 15 Jahren, die wurde an dem Tag, an dem sie zu uns gebracht wurde, 15 Jahre alt. Die hat ein Täter aus Deutschland, er war 30, aus einem osteuropäischen Kinderheim rausgeholt, 13-jährig, und hat sie zwei Jahre lang hier in Flatrate-Bordellen angeboten als „Teenie und tabulos“. Das muss man sich mal vorstellen, dass es so etwas gibt in Deutschland. Und das gibt es mehr als genug, denn die Frauen in der Prostitution werden immer jünger und man kann nicht sagen, dass diese Mädchen wissen, auf was sie sich einlassen, wenn sie auf so falsche Versprechungen reinfallen und ihr Leben wirklich zerstören und kaputtmachen. Denn Prostitution ist krankheitsfördernd. Wir haben so viele Frauen, die traumatisiert sind, die Krankheiten haben, die mit ihrem Leben nicht mehr zurechtkommen und das kann man doch nicht ohne weiteres akzeptieren. Und aus diesem Grund hat Solwodi am 16. September eine Aktion angefangen, die man im Internet unter „Mach den Schlussstrich“ finden kann. Wir bitten um so viele Unterschriften wie möglich, denn wir wollen eine Petition machen, so dass der Kauf von Sex in Deutschland verboten wird. Das brauchen keine hohen Strafen zu sein, aber es hat in Schweden dazu geführt, dass sehr viele nachdenken, was da eigentlich passiert. Und in Schweden ist die Stimmung umgekippt und ich würde mir sehr wünschen, dass auch Deutschland diesem Beispiel folgt und den Kauf von Sex unter Strafe stellt.

Das Interview führte Christian Schlegel (Domradio).

Mit freundlicher Genehmigung von domradio.de.

© domradio.de

Mitmachen

Wenn auch Sie die Kampagne „Mach den Schluss-STRICH!“ unterstützen wollen, dann gibt es zwei Wege: Laden Sie den Aktions-Flyer mit Unterschriftenliste herunter, sammeln sie Unterschriften und schicken Sie diese an

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