Singende Bischöfe und ein tanzender Pater

  • München - 22.10.2013

Es wurde Karaoke gesungen und Basketball gespielt, es gab Bauchtanz zum Mitmachen, afrikanische Bräuche und eine Sari-Modenschau: Mit einem „Fest der Begegnung“ feierte Missio München am Samstagabend auf der Praterinsel in der bayerischen Landeshauptstadt sein 175. Jubiläum. In vier verschiedenen Areas – Ägypten, Afrika, Indien und Philippinen – erhielten die Freunde, Stifter, Spender und Förderer des Hilfswerkes einen bunten und informativen Einblick in die weltkirchliche Arbeit der Projektpartner von Missio.

Rund 400 Gäste waren am Samstag gekommen, um zu feiern und sich über die Projektarbeit von Missio zu informieren. Einen Schwerpunkt des Abends setzte Missio auf Ägypten, das diesjährige Beispielland des traditionellen Sonntags der Weltmission. Der koptisch-katholische Bischof der Diözese Assiut, Kyrillos William, berichtete von der aktuellen schwierigen Lage der Christen in der derzeitigen Umbruchsituation Ägyptens, zeigte sich aber zugleich voller Hoffnung, dass durch eine neue Verfassung Friede, Freiheit und Gleichberechtigung für alle Ägypter ermöglicht werde.

Während in der ägyptischen Area der Chor des koptisch-katholischen Priesterseminars in Kairo mehrere Kostproben lieferte und die Ägypterin Hannan Ammann die interessierten Zuschauer – unter ihnen auch Gastgeber Erzbischof Reinhard Kardinal Marx – in die Kunst des Bauchtanzes einweihte, sorgten nebenan in der afrikanischen Area die Masithi-Singers aus Südafrika für Stimmung. Dazwischen berichtete der Afrikamissionar Bruder Wilfried Langer von den Herausforderungen der Kirche in Mali und Priester Abbé Kaffi Jean Kinnoume informierte über seine Arbeit in Benin.

Erzbischof Reinhard Kardinal Marx bei der Begrüßung der rund 400 Gäste des Festabends. Fritz Stark/Missio

Karaoke mit Kardinal Marx

Als wahrer Entertainer erwies sich Erzbischof Orlando Beltran Quevedo aus Cotabato in der philippinischen Area. Er animierte die Gäste reihenweise zum Karaoke singen – eine Art Volkssport in seiner Heimat. Gleich zum Auftakt ermunterte er Kardinal Marx zum Mitmachen: Die beiden Erzbischöfe präsentierten dem jubelnden Publikum den Louis-Armstrong-Klassiker „What a wonderful world“. Später am Abend holte Quevedo schließlich auch noch seinen ägyptischen Kollegen Bischof Kyrillos William für ein gemeinsames „Amazing Grace“ zu sich aufs Podium.

Indischer Tanz

In der indischen Area beeindruckte unterdessen Jesuiten-Pater Saju mit seinem indischen Tanz die Gäste. Der promovierte Theologe und Projektpartner von Missio ehrt Gott durch seine traditionellen Tänze. Tanzen sei für ihn Beten, betonte er: „Ich kann Gott nicht nur mit meinen Worten loben, sondern muss tanzen.“ Pater Saju arbeitet als Lehrer am Stadtrand von Kolkata. Neben Englisch und Persönlichkeitsbildung lehrt er klassischen indischen Tanz. Als Ehrengast begrüßte Kardinal Marx hier seinen indischen Amtskollegen Erzbischof Telesphore Kardinal Toppo: In einem gemeinsamen Interview sprachen sie über Missionsarbeit in Indien, indische Priester, die in deutschen Pfarreien arbeiten, und das Engagement der Kirche in den Bereichen Bildung und Erziehung.

Die Masithi-Singers aus Südafrika. Fritz Stark/Missio

Weltweite Verbundenheit

Der Abend wurde „Fest der Begegnung“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Es sei gelungen, den Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen in den Mittelpunkt zu rücken, bilanzierte Festabend-Gast und Missio-Unterstützer Jakob Blätte und lobte das ungezwungene und lebendige Miteinander von Projektpartnern, Kirchenvertretern und Gästen. Die „weltweite Verbundenheit“, auf die Missio-Präsident Pater Eric Englert in seiner Begrüßungsrede verwiesen hatte, sei durch und durch zu spüren gewesen, betonte Blätte.

Erzbischof Reinhard Kardinal Marx nannte die Veranstaltung einen „Abend der Ermutigung für die Missionsarbeit“. Er erinnerte an die Anfänge des Ludwig Missionsvereins vor 175 Jahren, als der Blick des Werkes noch auf die Auswanderer gerichtet war, die Deutschland in Richtung Afrika, Asien und Amerika verließen. In der aktuellen Flüchtlingsdebatte dürfte nicht vergessen werden, dass Deutschland ein Land war, aus dem Menschen auswanderten, mahnte der Kardinal. Zugleich verwies er auf die große Bedeutung, die Missio durch den Austausch und das Miteinander der Kulturen für die Zukunft der Kirche in Deutschland habe. Mission sei „keine Einbahnstraße, sondern ein gemeinsamer Weg“.

Von Antje Pöhner

© Missio München