Erzbistum San Salvador will Menschenrechtsbüro-Archiv behalten

  • San Salvador - 21.10.2013

Das Erzbistum von San Salvador will das Archiv des kürzlich geschlossenen Menschenrechtsbüros nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben. „Niemand hat das Recht, das Archiv für sich zu beanspruchen. Die Dokumente bleiben in der Obhut der Kirche“, sagte Erzbischof Jose Luis Escobar Alas am Sonntag (Ortszeit) lokalen Medien.

Die Staatsanwaltschaft hatte laut Medienberichten vom Freitag die Räumlichkeiten des Erzbistums aufgesucht und die Herausgabe des Archivs gefordert. El Salvadors Ombudsmann für Menschenrechte, David Morales, reagierte bestürzt auf die Aktion. „Die Staatsanwaltschaft begeht einen schweren Fehler, wenn sie die Dokumente des Erzbistums entführt. Dafür gibt es keinen Grund“, sagte Morales der Tageszeitung „El Faro“.

Menschenrechtsbüro überraschend geschlossen

Das Erzbistum San Salvador hatte Ende September überraschend das Menschenrechtsbüro geschlossen. Nach heftigen Protesten kündigte Erzbischof Escobar Alas eine Neustrukturierung der Menschenrechtsarbeit an, die künftig in einem Zentrum für Dokumentation zusammengefasst werden solle. Kritiker befürchten, dass das Archiv mit Dokumenten über zahlreiche Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkrieges verloren gehen könnte.

Das international anerkannte Menschenrechtsbüro war 1982 gegründet worden, um die Hintergründe des Attentats an San Salvadors Erzbischof Oscar Arnulfo Romero (1917–1980) sowie Verbrechen während des Bürgerkrieges in El Salvador (1980–1991) aufzuklären. Bis heute hätten die Mitarbeiter mehr als 50.000 Hinweise erreicht, heißt es in lokalen Medienberichten. Romero wurde als Anwalt für die Rechte der Armen und Unterdrückten über die Grenzen Mittelamerikas hinaus bekannt. Die Hintergründe seines Todes sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Der Chef der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hatte im Juli eine baldige Seligsprechung Romeros in Aussicht gestellt.

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