Gegen eine Politik der Abschottung

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  • Berlin/Mainz - 09.10.2013

Angesichts der jüngsten Flüchtlingskatastrophe vor der italienischen Insel Lampedusa fordert Gemeinsam für Afrika ein Umdenken in der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik. Das Bündnis kritisiert die europäische Abschottungsstrategie, „die mit ihren restriktiven Regelungen und der menschenverachtenden Praxis unterlassener Seenothilfe hier den Tod von über 300 Menschen zu verantworten hat“. Zudem fordert das Bündnis, den Ursachen der Flucht in den Herkunftsländern der Flüchtlinge stärker zu begegnen.

„Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern können Europa auf rechtmäßigem Weg nicht erreichen. Die Überwachung und Abriegelung der europäischen Grenzen lässt Menschen in Not verzweifeln. Tausende riskieren deshalb ihr Leben und wagen den gefährlichen Weg über das Mittelmeer“, erklärt Susanne Anger, Sprecherin von Gemeinsam für Afrika.

Über 20.000 Menschen hätten dabei in den vergangenen 20 Jahren bereits ihr Leben verloren. Diese alarmierende und zutiefst erschütternde Bilanz zeige, wie dringend und groß der Handlungszwang für Europa ist. „Es waren Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konvention, die Anspruch auf unseren Schutz hatten, und es waren Menschen, die wir aus Seenot hätten retten müssen“, so Anger.

Verfehlte Flüchtlings- und Migrationspolitik

Die schrecklichen Ereignisse vor Lampedusa seien vor allem Resultat einer verfehlten Flüchtlings- und Migrationspolitik der europäischen Staaten. „Zwar haben sich sämtliche Staaten der EU dazu verpflichtet, Verfolgten Asyl zu gewähren. Als Friedensnobelpreisträger 2012 kommt Europa aber hier seiner Pflicht nicht nach, endlich das Vakuum der Verantwortung für die Schutzsuchenden aus Afrika zu füllen. Europa muss einen sicheren Zugang für Menschen auf der Flucht schaffen“, fordert Anger.

„,Weiter wie bisher‘, darf nicht das letzte Wort in der europäischen Flüchtlingspolitik sein.“

— Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Dr. Ludwig Schick in Afrika. KNA

Erzbischof Schick kritisiert Programme für Flüchtlinge

Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick fordert beim Thema Flüchtlingspolitik ein Umdenken. „,Weiter wie bisher‘“, darf nicht das letzte Wort in der europäischen Flüchtlingspolitik sein.“, schrieb der Vorsitzende der Bischöflichen Kommission Weltkirche am Mittwoch über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ebenso kritisierte Schick die Länderprogramme für Syrien-Flüchtlinge in Deutschland. Er fordert eine Lockerung der Bürokratie, wie das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ am Dienstag mitteilte. Nach Recherchen des Magazins werden die Programme der Bundesländer bislang kaum genutzt, da die finanziellen Anforderungen an aufnehmende Familien zu hoch seien.

Schick betonte laut Report Mainz weiter, Deutschland sei ein reiches Land, das sich ein stärkeres Engagement für syrische Flüchtlinge leisten könne. „Wir können uns mehr Hilfsbereitschaft und Barmherzigkeit leisten, und das sollten wir auch tun“, so der Bischof. (lek/KNA)

Report Mainz

Den "Report Mainz"-Bericht vom 8.10.2013 können Sie auf der Webseite des SWR ansehen:

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Gemeinsam für Afrika

Gemeinsam für Afrika ist ein Zusammenschluss von über 20 Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, die sich für verbesserte Lebensbedingungen in Afrika einsetzen. Unter den Mitgliedern finden sich auch viele kirchliche Hilfswerke, wie Kolping International oder Don Bosco Mondo.

Die vollständige Stellungnahme von "Gemeinsam für Afrika" lesen Sie hier:

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