Papst ruft zum Kampf gegen Vorurteile über Flüchtlinge auf

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  • Vatikanstadt - 24.09.2013

Papst Franziskus hat zum Kampf gegen Vorurteile über Flüchtlinge aufgerufen. Die verbreitete „Haltung der Verteidigung und der Angst, des Desinteresses und der Ausgrenzung“ müsse zugunsten einer „Kultur der Begegnung“ überwunden werden, forderte der Papst in seiner am Dienstag veröffentlichten Botschaft zum katholischen Weltflüchtlingstag. In Deutschland wird dieser im Rahmen der Interkulturellen Woche begangen, die noch bis zum 28. September läuft. Das Kirchenoberhaupt prangert in seiner Botschaft auch Menschenhandel und Sklavenarbeit an. Es sei „besorgniserregend“, dass Sklavenarbeit heute eine „gültige Währung“ sei. Es brauche eine bessere internationale Zusammenarbeit in der Flüchtlingspolitik.

Flüchtlinge, Vertriebene und Asylbewerber seien oft Verdächtigungen und Feindseligkeiten durch die örtliche Bevölkerung ausgesetzt, beklagt Franziskus in dem Schreiben. Sie fürchte Identitätsverlust, wachsende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und steigende Kriminalität. Dem müssten insbesondere die Medien entgegenwirken und „eingebürgerte Vorurteile“ entlarven. „Wo es darum geht, den Fehler einiger öffentlich anzuklagen“, sollten sie stets ohne Übertreibungen korrekt informieren und zugleich auf „Rechtschaffenheit und Seelengröße der Mehrheit“ hinweisen, so Franziskus.

Flüchtlingstag wird in Deutschland am 27. September begangen

Der 100. „Welttag des Migranten und Flüchtlings“, den die katholische Weltkirche am 19. Januar 2014 begeht, steht unter dem Leitwort: „Migranten und Flüchtlinge: unterwegs zu einer besseren Welt“. In Deutschland findet der Tag des Flüchtlings schon am 27. September im Rahmen der Interkulturellen Woche statt. Franziskus hatte im Juli als sein erstes Reiseziel in Italien die Mittelmeerinsel Lampedusa besucht und war dort mit Bootsflüchtlingen zusammengetroffen, die jedes Jahr zu Tausenden auf der Insel landen.

Nach jüngsten Angaben des UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) waren Ende 2012 weltweit 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht. 15,4 Millionen davon waren Flüchtlinge außerhalb ihres Heimatlandes, 937.000 waren Asylsuchende und 28,8 Millionen Binnenvertriebene. Das ist laut UNHCR der höchste Stand seit 1994.

Staaten müssen zusammenarbeiten

Der Papst schreibt weiter, Millionen Menschen, die vor Elend oder Verfolgung geflohen seien, stießen in den Aufnahmeländern häufig auf Misstrauen und Ausgrenzung. Oft würden sie von „noch schwereren Formen des Unglücks getroffen“ als in ihrer Heimat.

Die Staaten müssten sich gegenseitig helfen, „ohne unüberwindliche Hürden aufzubauen“, heißt es in der Papstbotschaft weiter. Herkunfts- und Aufnahmeländer müssten im „Geist tiefer Solidarität und ehrlichen Mitgefühls“ kooperieren. Zudem gelte es, eine Gesetzgebung zu schaffen, die die Bedürfnisse und Rechte der Migranten und zugleich jene der Bevölkerung in den Aufnahmeländern schütze.

Ursachen bekämpfen

Am Anfang jeder Flüchtlingspolitik müsse das Bemühen der einzelnen Länder stehen, die Ursachen der Flüchtlingsströme zu bekämpfen, führt Franziskus aus. Sie müssten bessere wirtschaftliche und soziale Bedingungen in der Heimat schaffen. Frieden, Gerechtigkeit und eine volle Achtung der Menschenwürde müssten ebenso garantiert sein wie Arbeitsmöglichkeiten in den lokalen Volkswirtschaften.

Den „Welttag des Migranten und Flüchtlings“ hatte Papst Benedikt XV. (1914–1922) unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs ins Leben gerufen. Seither wird er jährlich im Januar begangen.

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