Landesweite Proteste von Christen in Pakistan

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  • Islamabad - 23.09.2013

Nach dem Selbstmordanschlag auf eine anglikanische Kirche in Pakistan hat dort am Montag eine dreitägige Staatstrauer begonnen. Für Regierungsgebäude in der Hauptstadt Islamabad war Beflaggung auf Halbmast angeordnet. In mehreren Städten protestierten Christen am Montag gegen den Anschlag und verlangten mehr staatlichen Schutz. Teilweise schlugen die Kundgebungen in Gewalt um. Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer in der anglikanischen All-Saints-Kirche in Peshawar laut pakistanischen Medien auf 81. Mehr als 140 Menschen wurden durch die Bomben verletzt, die nach einem Gottesdienst detonierten.

Der Regierungsbeauftragte für Minderheiten, Paul Bhatti, erhob schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitsbehörden. Der Staat sei so schwach, dass „jeder jeden jederzeit töten“ könne. Dies sei „eine Schande“, sagte der katholische Politiker, dessen Bruder Shahbaz als Minister für Minderheiten 2011 bei einem Attentat ums Leben kam.

Islamistische Gruppe „Jandullah“ bekennt sich zum Anschlag

Bhatti wandte sich zugleich gegen weitere Verhandlungen mit der radikalislamischen Gruppierung „Jandullah“, die sich zu dem Anschlag bekannt hatte. Es sei kein Dialog möglich mit „denen, die Unschuldige töten“. Die den Taliban zugehörige „Jandullah“ nannte das Attentat auf die Kirche eine Vergeltung für Drohnenangriffe der USA. Pakistans Regierung plant offenbar, die Gespräche mit „Jandullah“ auf Eis zu legen. „Wir haben andere Mittel, um mit ihnen umzugehen, und werden sie nutzen“, hieß es aus dem Innenministerium.

Papst verurteilt Attentat

Weltweit verurteilten Vertreter von Politik und Religion die Tat. Papst Franziskus sprach von einem „Irrweg des Hasses und der Gewalt“. Pakistans katholische Bischofskonferenz kündigte an, kirchliche Bildungseinrichtungen aus Protest landesweit drei Tage geschlossen zu halten. Der Generalsekretär des Ökumenischen Kirchenrats in Genf, Olav Fykse Tveit, rief Pakistans Regierung am Montag zum Schutz der Bürger und vor allem der „verwundbaren christlichen Gemeinschaft“ auf. Das Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof Justin Welby von Canterbury, sagte den Christen in Pakistan sein Gebet zu und forderte eine Bestrafung der Schuldigen. Der Anschlag offenbare die „Tiefen der menschlichen Bosheit“.

Zuvor hatte Innenminister Nawaz Sharif das Attentat als im Widerspruch zu islamischen Werten verurteilt. Auch die Organisation für Islamische Zusammenarbeit wies jede Form von Terrorismus zurück und sagte Pakistan Unterstützung im Kampf gegen Extremismus zu. Ähnlich äußerte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Auch die muslimischen Verbände in Deutschland haben den Terroranschlag „aufs Schärfste“ verurteilt. „Die Verursacher dieser barbarischen und heimtückischen Tat haben sich zum Feind des Islam gemacht“, sagte der Vorsitzende des Koordinationsrats der Muslime (KRM), Aiman Mazyek, am Montag in Köln.

Wütende Proteste

Christen in Pakistan reagierten auf den bislang folgenschwersten Anschlag auf ihre Gemeinschaft mit teils wütenden Protesten. Bereits am Sonntag hatten aufgebrachte Demonstranten in Peshawar mit Leichen von Anschlagsopfern eine Straße blockiert. Andere griffen mit Steinen ein Krankenhaus an, weil es dort an medizinischem Personal und Betten für Verletzte gefehlt habe. Auch am Montag gab es Straßensperren in Islamabad und anderen Städten. In Quetta setzten Teilnehmer eines Protestzuges laut Medienberichten Autoreifen in Brand.

Die katholischen Bischöfe riefen die Christen zu Gewaltverzicht auf. Rund 96 Prozent der 185 Millionen Einwohner Pakistans sind Muslime. Zum Christentum bekennen sich etwa drei Millionen Bürger.

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