Mordfall von US-Missionarin in Brasilien wird neu verhandelt

  • São Paulo - 18.09.2013

Im Mordfall an der US-amerikanischen Missionarin Dorothy Stang beginnt am Donnerstag in Brasilien der vierte Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher, den Landbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura. Sein Verteidiger kündigte laut brasilianischen Zeitungen (Mittwoch) neue entlastende Beweise an. Bastos war wegen des Mordes im Jahr 2005 bereits mehrfach verurteilt worden. Das Oberste Gericht Brasiliens hatte im Mai jedoch die Entscheidung kassiert.

Zuletzt war Bastos im April 2010 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberste Gericht befand dagegen, Bastos habe keine faire Chance auf Verteidigung gehabt. Die Verteidigung will nun einen ehemaligen Polizisten als Zeugen auftreten lassen. Nach Angaben des Mannes, der seinerzeit an den Ermittlungen teilnahm, soll die Tatwaffe von einem Polizisten stammen. Die Polizei habe den Schützen Rayfran das Neves Sales gezwungen, Bastos als Auftraggeber zu nennen.

Der Mord an der Ordensfrau Stang, die sich für die Belange armer Bauernfamilien im Amazonasgebiet einsetzte, sorgte international für Aufsehen. Menschenrechtsgruppen beschuldigten die brasilianische Justiz eines undurchsichtigen Vorgehens. Der nach einem Geständnis zu 27 Jahren Haft verurteilte Täter Rayfran das Neves Sales kam im Juli nach acht Jahren wegen guter Führung in Freiheit. Auch er soll im neuen Prozess zugunsten von Bastos aussagen.

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