Als Missionar auf Zeit in Ostafrika

  • Arusha - 03.09.2013

Nach seinem Abitur beschloss Marian Haman aus Goch ein Jahr lang in einer Pfarrei der Steyler Missionare mitzuleben, mitzubeten und mitzuarbeiten. Der 21-Jährige ging als Missionar auf Zeit (MaZ) nach Ostafrika – mit einem guten Schutzengel im Gepäck.

Den 5. Mai 2013 wird Marian Haman so schnell nicht vergessen. Der Wecker klingelt um fünf Uhr morgens. Arusha liegt noch im Dunkeln, und doch sind auf den Straßen im Nordosten Tansanias schon viele Menschen unterwegs, knapp 90 Kilometer südwestlich des Kilimandscharo-Massivs.

Wenig später setzt sich im Stadtteil Burka eine festliche Prozession in Bewegung. Marian, der junge Missionar aus Deutschland, ist mittendrin. „Die Stimmung war wundervoll“, erinnert er sich. „Alle haben sich gefreut, gelacht und getanzt.“ Mit seiner Filmkamera fängt Marian Massai-Chöre in traditionellen, bunten Gewändern ein, die den Prozessionsweg säumen. Trommelschläge bestimmen den Rhythmus ihrer Bewegungen. Menschen im Sonntagsstaat schieben sich durch die engen, regennassen Straßen, schwenken gelbe Fahnen. Tausende sind zur feierlichen Einweihung der neuen Kirche von Olasiti gekommen.

Jubel um Apostolischen Nuntius

Der Jubel schwillt an, als Francisco Padilla aus einem weißen Fahrzeug steigt. Marian hält mit seiner Kamera fest, wie sich der Apostolische Nuntius, der ständige Vertreter des Papstes in Tansania, seinen Weg durch die Menge bahnt, Hände schüttelt, winkt. Genauso wie der Erzbischof von Arusha und der Provinzial der Steyler Missionare in Kenia und Tansania trägt er eine gelbe Blütenkette um den Hals. Gelb ist auch die Farbe des Bandes, das vor dem Kirchenportal darauf wartet, durchschnitten zu werden.

Von den Eingangsstufen hinab schaut der Nuntius in die ausgelassene Menge. Marian schwenkt mit seiner Kamera auf die vielen Ordensleute, Messdiener, Würdenträger und Gemeindemitglieder, die sich dicht gedrängt auf dem Hof vor der Kirche versammelt haben. Die heiteren Begrüßungsworte Padillas quittieren sie immer wieder mit einem Lachen. Dann beginnt der Erzbischof mit der Weiheliturgie, streut Salz in ein blaues Wassergefäß, macht das Kreuzzeichen.

Unmittelbar nach dem Bombenanschlag herrscht Chaos. Missionare und Ordensschwestern eilen Verletzten zu Hilfe. Steyler Missionare

Ein jähes Ende

Ein ohrenbetäubender Knall durchbricht die andächtige Stille. Plötzlich sind alle in Aufruhr, panische Schreie erfüllen den Kirchplatz, Menschen liegen am Boden, andere weinen, wieder andere eilen Verletzten zur Hilfe. Ein Bombenattentat hat dem Freudenfest ein jähes Ende bereitet.

„Ich stand erst ein paar Sekunden wie versteinert da“, erinnert sich Marian. „Überall liefen mir schreiende Menschen entgegen. Die Steyler haben mitgeholfen, die Verletzten ins Krankenhaus zu bringen.“ Im Inneren der Kirche trifft Marian auf weinende Kinder. „Da war ein Mädchen, das am ganzen Körper gezittert hat“, sagt er. „Ich habe versucht, es zu trösten.“ Zwei Kinder und eine Frau kamen durch den Bombenanschlag in Olasiti ums Leben, mehr als 50 Menschen wurden verletzt. Zu den Hintergründen der Tat laufen bis heute die Ermittlungen: Man vermutet religiöse Fundamentalisten hinter den Tätern. Acht Verdächtige sollen inzwischen festgenommen worden sein.

Marian stand nur wenige Meter entfernt, als die Bombe aufschlug. „Ich konnte die Druckwelle spüren“, erinnert er sich. „Mein Herz hat sich beinahe überschlagen.“ Die Ereignisse des 5. Mai kommen ihm immer wieder in den Sinn. „Aber so einschneidend dieses Erlebnis war: Ich will meinen Einsatz als Missionar auf Zeit auch nicht darauf reduzieren“, sagt er. „Gefahren ist man überall auf der Welt ausgesetzt. Ich hatte einen guten Schutzengel – und gemeinsam mit den Steylern habe ich den Tag aufgearbeitet.“

Die Ereignisse vom 5. Mai mögen Marian durch Mark und Bein gegangen sein: Insgesamt empfindet der 21-Jährige aus Goch seinen Einsatz als Missionar auf Zeit bei den Steyler Missionaren in Kenia und Tansania als große Bereicherung. „Das Jahr hat mir Augen, Ohren, Herz, ja, alle Sinne geöffnet“, sagt er.

Viele Höhepunkte

Nach dem Höhepunkt seines Einsatzes gefragt, kommt Marian ins Grübeln. War es das Weihnachtfest am Strand, mit der Jugendgruppe der Steyler Pfarrgemeinde von Nairobi-Soweto, oder waren es die Besuche in den Dörfern der Massai, mitten im tansanischen Busch? War es der landesweite Kirchenchor-Chorwettbewerb, bei dem Marian und seine Mitsänger den vierten Platz gemacht haben, oder war es doch die Besteigung des Mount Kenya?

Vielleicht war es auch das Feingefühl des Steyler Missionars Bruder Karl Schaarschmidt. Er erkannte Marians künstlerisches Talent – und motivierte den jungen Freiwilligen, diese besonderen Fähigkeiten in seinen Einsatz einzubringen. Besonders stolz ist Marian auf ein Mosaikbild, das er für die Anbetungskapelle der Gemeinde von Soweto gestaltet hat: Eine Weltkugel, züngelnde Flammen und eine Taube – zusammengesetzt aus vielen bunten Glassteinen – umgeben den Tabernakel. Viele Stunden hat ihn diese Arbeit investiert.

Der Missionar auf Zeit Marian Haman Steyler Missionare

Marians Spuren

Überall hat Marian mit seinen Werken Spuren hinterlassen. Ein großes Banner, das er zum Jahr des Glaubens gestaltet hat, hängt inzwischen in vielen Pfarreien Nairobis. Für die Jugendgruppe der Gemeinde von Soweto hat er T-Shirts entworfen. Für sein größtes Projekt zeichnet er schon seit Wochen Skizzen: 14 Kreuzweg-Stationen, gedacht für einen Friedhof der Steyler Missionare, den Bruder Schaarschmidt gerade in Nairobi-Katani baut.

Mit seinen Bildern bleibt also auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland ein Stück Marian in Nairobi. Und umgekehrt? „Ich hoffe, dass ich etwas von der Offenheit der Menschen hier mit nach Hause nehme“, sagt Marian, während er eine Runde durch den Slum von Soweto dreht, vorbei an Obsthändlern, Unrat und spielenden Kindern in Schuluniformen. „Auch vom Glauben der Menschen kann man eine Menge mitnehmen“, sagt Marian. „Die Gottesdienste sind hier so lebendig und mitreißend. Die Kirchen sind brechend voll. Das ist wahnsinnig schön.“

Der Tag, an dem in Arusha die Bombe explodierte: Er bleibt untrennbar mit Marians MaZ-Einsatz verbunden. Seine Sicht von Afrika geprägt haben aber vor allem die 364 anderen Tage seiner Zeit in Kenia und Tansania. „Es hat sich mehr als gelohnt“, bilanziert er deshalb ohne Zögern. „Ich habe so viel fürs Leben gelernt, gerade im Umgang mit anderen Menschen und Kulturen. Es war eine gute Zeit.“

Von Markus Frädrich

Mehr Informationen zum MaZ-Programm der Steyler Missionare finden Sie hier .

© Steyler Missionare

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