TV-Duell: Kein Blick über den Tellerrand

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  • Berlin - 02.09.2013

Es war der erwartet knappe Schlagabtausch im TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Peer Steinbrück (SPD). Aus entwicklungspolitischer Sicht war es eine Nullnummer: Weder Kandidaten noch Moderatoren interessierten international bedeutsame Themen wie grassierende Armut, Klimawandel oder globale Gerechtigkeit. Ein Armutszeugnis deutscher Provinzpolitik.

Bezeichnend, was den Medien nach dem TV-Duell eine Schlagzeile wert war: Die schwarz-rot-goldene Halskette der Kanzlerin kreierte einen eigenen Twitter-Account mit mehr als 4.500 „Followern“. „Merkels Halsschmuck ‚wahrer Sieger‘ des TV-Duells“, titelte etwa N24. Bezeichnend aber auch die Beteiligung der entwicklungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Parteien: Es gab sie nicht.

Einzig Thilo Hoppe, Entwicklungspolitiker der grünen Bundestagsfraktion, meldete sich per Twitter zu Wort: „Bei diesem #tvduell wurden die grössten globalen Herausforderungen ausgespart: Klimawandel, Artensterben, Welthunger.“ Und Hoppe legte noch nach: „Klima: Wir sind auf dem 4-Grad-(Erwärmungs)-Pfad. Hunger: mind. 925 Mio. weltweit. Artensterben: 30 pro Tag.“

Die anderen Entwicklungspolitiker und entwicklungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Parteien: Fehlanzeige. Keine Präsenz in sozialen Medien während des möglicherweise entscheidenden Wahlkampf-Ereignisses, Stillstand auf den Homepages. Bezeichnend insbesondere der letzte Tweet der AG Entwicklungspolitik („Für eine solidarische und transparente Entwicklungszusammenarbeit“) der ansonsten Netz-affinen Piratenpartei: Er stammt vom 15. Juli 2013.

Die Ausmauschelei der Themen zwischen TV-Sendern und Duellanten ließ an internationalen Problemfeldern offenbar lediglich Fragen zum aktuellen Thema „Militärschlag gegen Syrien“ und zum NSA-Skandal zu. Diese ignorante, provinzielle Sicht der Dinge erinnert an ein Wort des früheren UN-Sondergesandten für Ernährung, Jean Ziegler, der wiederholt betonte: „Jedes Kind, das heutzutage an Hunger stirbt, wird ermordet!“

Dass die deutschen Wähler mehrheitlich durchaus für mehr internationale Gerechtigkeit (z.B. für ein Ende der Spekulation mit Nahrungsmitteln), für eine Aufstockung des Entwicklungsetats und für die Erfüllung der internationalen Pflichten Deutschlands (0,7-Prozent-Ziel) sind, haben repräsentative Umfragen unlängst erwiesen. Die Kanzlerin und der Kanzlerkandidat hätten also durchaus eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler mit diesen Themen ansprechen können.

Von Klaus Boldt, Herausgeber von www.epo.de

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