Christen in Verantwortung für Europa

  • Freising - 02.09.2013

Die Europäische Wende mit dem späteren Zusammenbruch der Sowjetunion jährt sich 2014 zum 25. Mal. Der Internationale Kongress Renovabis hat das Thema bereits in diesem Herbst auf die Tagesordnung gesetzt und das Spannungsfeld von Solidarität und Freiheit in den „Nach-Wende-Prozessen“ beleuchtet. Papst Franziskus bedankte sich mit einem Grußwort für die Großzügigkeit vieler Deutscher mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa. Von den Kongressteilnehmern wünschte sich der Papst, dass sie dazu beitragen, dass die Würde jedes einzelnen Menschen stets in den Mittelpunkt gestellt wird. Unter der Überschrift „Frei und solidarisch – Christen in Verantwortung für Europa“ diskutierten vom 28. bis zum 30. August 2013 rund 350 Teilnehmer aus 30 Ländern in Freising.

Beim 17. Internationalen Renovabis-Kongress erinnerte Markus Meckel, letzter Außenminister der DDR und langjähriger Bundestagsabgeordneter, an die Bilder von 1989. Diese hätten sich tief ins kollektive Gedächtnis eingeprägt. Die Menschen hätten damals Sehnsucht nach Freiheit gehabt. In diesem Zusammenhang machte er den Christen Mut, weiter Teil der Freiheitsgeschichte des Kontinents zu bleiben.

Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pater Stefan Dartmann SJ hob hervor, dass Renovabis sich bereits seit zwei Jahrzehnten solidarisch und partnerschaftlich für die Menschen im Osten Europas einsetze. So konnte im Zusammenwirken mit osteuropäischen Projektpartnern und zugunsten der Menschen im zusammenwachsenden Europa vieles erreicht werden.

Der 17. Renovabis-Kongress fand im Freisinger Asamsaal statt. Renovabis

Marx: Schattenseiten nicht übersehen

Der Erzbischof von München und Freising Reinhard Kardinal Marx betonte ebenfalls die „wirklichen Fortschritte“, mahnte aber, die Schattenseiten wie den ungezügelten Finanzkapitalismus, nicht zu übersehen. Marx, der auch Präsident der Kommission der europäischen Bischofskonferenzen ist, forderte eine neue „Fortschrittsidee für Europa“, denn es müsse um mehr gehen als nur um die Verteidigung des Wohlstands. „Europa heißt Öffnung“, an diesen Kernsatz des Apostolischen Schreibens über die Kirche in Europa von Papst Johannes Paul II. erinnerte der Kardinal. Als „Protagonisten der Freiheit“ sei es für die Christen wichtig, sich mit der Vielfalt der modernen Welt auseinanderzusetzen und positiv am „Projekt Europa“ mitzuarbeiten.

Jan Sokol, Philosoph an der Prager Karls-Universität, teilte den Befund von Kardinal Marx und verwies darauf, dass die Botschaft des Evangeliums in ihrer Radikalität noch längst nicht ausgeschöpft sei. Christen sollten offensiv Haltungen wie Vergebung, Hoffnung, Nächstenliebe und Umkehr in die modernen Gesellschaften einbringen: „Christen schulden ihnen diesen Beitrag“.

Der Europaabgeordnete Bernd Posselt wies am letzten Kongresstag auf einen doppelten Irrtum unserer Zeit hin: Der eine bestehe darin, das Europa von heute einfach als „Fortsetzung des christlichen Abendlandes“ zu betrachten, der andere, es auf eine Art „glaubensfeindliche Entchristlichungsmaschinerie“ zu reduzieren. Vielmehr sollten Christen ihren Glauben aktiv als „Beitrag zur Entstehung eines geeinten Europa“ verstehen und in die Gesellschaft einbringen.

(Renovabis/KNA)

Renovabis

Renovabis wurde 1993 vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Deutschen Bischofskonferenz gegründet. Das Hilfswerk unterstützt pastorale, gesellschaftliche und soziale Projekte in den ehemals sozialistischen Ländern Mittel- und Osteuropas. Nach Angaben der Organisation wurden in den vergangenen 20 Jahren rund 19.100 Vorhaben mit einem Volumen von mehr als einer halben Milliarde Euro gefördert.

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