Eine kleine Nische in der Welt der Spiele

  • Köln - 26.08.2013

Menschen im Spielerausch. Auf der Kölner Spielemesse Gamescom2013 drängeln sich tausende Besucher durch dunkle, dröhnende Hallen auf der Suche nach Action. Schließlich werden hier die Computerspiele der Zukunft präsentiert. Eintauchen in Fantasiewelten. Scharen langhaariger Jungs mit schwarzen T-Shirts und künstlichen Schwertern huschen an Mädchen vorbei, die als Computerheldinnen verkleidet sind.

Zur weltweit größten Publikums- und Fachmesse für Computerspiele in Köln pilgern jährlich an die 250.000 Besucher. Allein dieses Jahr haben über 600 Aussteller die neuesten Spiele präsentiert. Am Sonntag ist die fünfte „Gamescom“ zu Ende gegangen.

Mittendrin im Trubel – das katholische Missionswerk Missio . Es präsentiert hier seinen sogenannten Missio-Truck , einen Wagon, in dem Besucher das Schicksal von afrikanischen Flüchtlingen spielerisch nachempfinden können. Mittels eines Avatars, also einer Spielerfigur, wird der Besucher in die Rolle eines Flüchtlings aus dem afrikanischen Land Kongo versetzt, wird durch verschiedene Abschnitte im Truck geleitet und muss Aufgaben erfüllen.

„Die Schüler kommen raus und sagen: Cool!“

— Heiner Ganser-Kerperin, Missio-Diözesantreferent

„Dass wir hier in diesem Umfeld einen Stand haben, zeigt, dass wir neue Wege gehen“, sagt Missio-Diözesanreferent Heiner Ganser-Kerperin stolz. Durch zahlreiche Diözesen sei der Truck bereits gereist. Die Resonanz sei positiv. „Die Schüler kommen raus und sagen: Cool!“ Auch Leute, die mit Kirche nicht so viel zu tun hätten, fühlten sich angesprochen. Das brachte Missio und der Entwicklerfirma Serious Games Solutions sogar den Deutschen Computerspiel Preis 2013 ein.

Missio-Diözesanreferent Heiner Ganser-Kerperin (rechts): Wir gehen mit dem Missio-Truck neue Wege. Missio Aachen

Serious games

Bei dem Spiel handelt es sich um die Gattung „serious games“, also „ernsthafte Spiele“. Anfang der 90er Jahre kamen Spieleentwickler auf die Idee, ernste gesellschaftliche Themen auf spielerische Art zu vermitteln. Besonders in Unternehmen sind die Computerspiele für Lernaufgaben gefragt. Aber auch im medizinischen Bereich oder im Journalismus mehren sich die Angebote. So gibt es auch nachrichtenbasierte Spiele, die journalistische Themen aufgreifen.

Missio ist überzeugt, dass das Spiel die Informationsbroschüre ersetzen kann. „Wir haben erkannt, dass wir junge Menschen mit unseren Themen am besten über Computer- und Rollenspiele erreichen“, sagt Ganser-Kerperin. Zum ersten Mal fuhr Missio vor acht Jahren mit einem AIDS-Truck durch Deutschland, der die Infektionskrankheit aus Sicht von Betroffenen deutlich machte. Dann beschlossen die Mitarbeiter, dasselbe mit dem Thema Flucht zu tun.

Spieler auf der Flucht

Die „Flucht“ des Spielers beginnt in einer Kirche in einem kongolesischen Dorf. Von draußen sind Schüsse zu hören, die Rebellen nähern sich dem Ort. Es ist Zeit zu fliehen. Der Spieler muss sich mit einem Fluchthelfer treffen, steigt zu ihm auf den Laster. „Bei dem Spiel geht es nicht darum, möglichst viel zu erleben, sondern den Flüchtlingen so nahe wie möglich zu kommen und ihr Schicksal nachzufühlen“, erklärt Ganser-Kerperin.

Obwohl es ein ernsthaftes Spiel ist, soll es trotzdem Spaß machen, sagt „Serious Games Solutions“-Geschäftsführer Ralph Stock. „Ein serious game muss nicht trocken daher kommen. Ein Schulbuch soll ja schließlich auch Spaß machen.“ Um die Spiele konkurrenzfähig mit populären Computerspielen wie „World of Warcraft“ zu machen, haben die Entwickler versucht, es graphisch so realitätsnah wie möglich zu gestalten. Dennoch bleiben die „serious games“ eine kleine Nische im Universum der Spielewelt. Spieleentwickler Stock hat damit aber kein Problem. „Wenn die Leute inhaltlich etwas mitnehmen und auch noch Spaß dabei haben, ist unser Ziel erreicht.“

Für den Missio-Truck soll es sogar noch eine Erweiterung geben: Spieler sollen die im Truck begonnene Flucht in einem „richtigen“ Computerspiel zu Hause fortsetzen können. „Wir werden diesen neuen Weg weitergehen“, so Missio-Mitarbeiter Heiner Ganser-Kerperin.

Von Claudia Zeisel

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