Von der Uni-Absage zur Reise-Zusage

  • Bonn - 15.08.2013

Tausche Studienplatz-Absage gegen Reise-Zusage“, heißt der Slogan des privaten deutschen Reiseveranstalters „Travel Works“, der junge Menschen ins Ausland vermittelt. Damit wirbt die Organisation seit zwei Wochen für junge Abiturienten, die zum Wintersemester 2013/2014 an deutschen Universitäten keinen Studienplatz bekommen haben. Die Kampagne startete erstmals 2012 und bietet jungen Menschen gegen Einreichung einer Uni-Absage eine Tätigkeit im Ausland an, etwa in Sozialprojekten oder im Bereich der medizinischen Versorgung.

„Wir wollten aus dem Frust etwas Positives machen“, so die Sprecherin von Travel Works, Tanja Kuntz. Durch den doppelten Abitur-Jahrgang in vielen Bundesländern gibt es derzeit mehr Studienbewerber als normalerweise. Das bringt die Universitäten dazu, die Auswahlkriterien strenger zu gestalten, etwa den Numerus Clausus höher zu setzen.

Bei Travel Works blieb der erwartete Ansturm auf Freiwilligenangebote aber aus, so Kuntz. Die Bewerberzahlen seien weitestgehend konstant geblieben. Anders als bei den Auslandspraktika – hier gebe es ein Wachstum von rund 20 Prozent.

Eine willkommene Gelegenheit

Auffallend viele Freiwillige hingegen verzeichnet das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Nordrhein-Westfalen beim Bundesfreiwilligendienst (BFD). Im bevölkerungsreichsten Bundesland gebe es „erfreulich“ viele Menschen, die sich im Zuge des doppelten Abitur-Jahrgangs freiwillig engagierten, so die Sprecherin vom Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin, Stephanie Krone. Allein über den BFD seien zwischen Rhein und Ruhr 550 Menschen im Einsatz. „Generell sind Freiwilligendienste für junge Menschen eine willkommene Gelegenheit zur Überbrückung der Wartezeit“, so Krone.

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Auf Bundesebene fällt das Ergebnis laut Bundesfamilienministerium nüchterner aus. Zwar habe es in einer Reihe von Bundesländern durch doppelte Abiturs-Jahrgänge mehr Bewerbungen gegeben. Diese seien aber weit von einer Verdoppelung entfernt gewesen, so die Presse-Sprecherin Charlotte Cary von Jagow.

Langfristige Planung

Zudem machten Abiturienten beim BFD ohnehin nur einen Teil der Freiwilligen aus. Schließlich gibt es beim Bundesfreiwilligendienst – wie bei vielen anderen Freiwilligenorganisationen auch – nach oben keine Altersgrenze. Abiturienten seien seit mehreren Jahren für ihre Situation „Doppelabitur“ sensibilisiert worden und planten deshalb langfristiger als Jugendliche in anderen Jahren, so von Jagow. Sie suchten gezielt nach Studienplätzen in anderen Bundesländern und nähmen bereits während der Oberstufe Orientierungsangebote in Anspruch. So beobachtet von Jagow sogar einen Rückgang jener Teilnehmer, die sich für einen Freiwilligendienst als Orientierungsphase bewerben.

Insgesamt seien die Bewerberzahlen in den letzen Jahren aber jeweils höher gewesen als die zur Verfügung stehenden Plätze, so von Jagow. Im Freiwilligen Sozialen Jahr, dem Freiwilligen Ökologischen Jahr und dem Bundesfreiwilligendienst haben sich laut Angaben des Bundesfamilienministeriums in den letzten beiden Jahren jeweils mehr als 85.000 Menschen in Deutschland in einem Freiwilligendienst engagiert. Zudem nutzen jährlich rund 6.000 junge Menschen aus Deutschland die Möglichkeit, im Rahmen eines Freiwilligendienstes Auslandserfahrungen zu sammeln. Sowohl im In- als auch im Ausland waren die Bewerberzahlen höher als die Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze.

Von Claudia Zeisel

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