Malta: Bootsflüchtlinge können Aufatmen

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  • Rom - 07.08.2013

Italien nimmt die 102 afrikanischen Flüchtlinge von einem vor Malta liegenden Tanker auf. Die Lösung sei nach intensiven diplomatischen Verhandlungen erreicht worden, meldete das italienische Fernsehen am Mittwoch. Das griechische Tankschiff „Salamis“ werde die sizilianische Hafenstadt Syrakus ansteuern, nachdem sich die maltesische Regierung geweigert hatte, die Bootsflüchtlinge aufzunehmen.

Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat dankte laut Bericht seinem italienischen Amtskollegen Enrico Letta. Die Bereitschaft Italiens zur Hilfe werde „die guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter stärken“. Unterdessen barg die maltesische Marine weitere 86 Flüchtlinge aus einem Schlauchboot 26 Seemeilen vor der Küste.

Internationaler Druck wuchs

Der Streit um den Verbleib der Flüchtlinge auf der „Salamis“ hatte zuletzt auch die EU-Kommission, das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sowie Amnesty International und andere Nichtregierungsorganisationen auf den Plan gerufen. Das UNHCR forderte am Dienstagabend eine „schnelle und praktische Lösung“. Die stellvertretende Europa-Direktorin vom Amnesty, Jezerca Tigani, sprach von einer „humanitären Pflicht“ Maltas zur Hilfe für die Schiffbrüchigen. Zuvor hatte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström „mit Nachdruck“ die Erlaubnis zum Landgang der Bootsflüchtlinge verlangt. Auch ein Bündnis von acht maltesischen Nichtregierungsorganisationen, darunter der Jesuiten-Flüchtlingsdienst , riefen die Behörden zum Einlenken auf.

Flüchtlinge aus Afrika und Asien mit dem Ziel Europa. KNA

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl beklagte, dass auf dem Rücken der Bootsflüchtlinge ein europäischer Machtkonflikt ausgetragen werde. Die körperliche Unversehrtheit spiele bei dieser militärischen Blockade in den internationalen Gewässern vor Malta keine Rolle.

Vier Schwangere und ein Säugling an Bord

Der Tanker „Salamis“ hatte Berichten zufolge nach einem Hinweis der italienischen Seenotrettungszentrale am Montagmorgen 102 Flüchtlinge aus einem Schlauchboot an Bord genommen. Es soll sich hauptsächlich um Eritreer handeln. Unter den Geretteten seien vier schwangere Frauen und ein wenige Monate alter Säugling. Der Kapitän der „Salamis“ habe in Malta medizinische Hilfe für Frau angefordert. Seitdem lag der Tanker 24 Seemeilen vor der Küste Maltas. Der Kapitän wurde aufgefordert, Kurs auf Libyen zu nehmen, lehnte dies aber ab. Der Jesuitenflüchtlingsdienst lobte daraufhin auf seiner Facebook-Seite den Einsatz der „Salamis“-Mannschaft für die Flüchtlinge.

Maltas Sicherheitsminister Manuel Mallia bekräftigte noch am Dienstagnachmittag die Weigerung, das Schiff anlegen zu lassen. „Wir versuchen die Situation zu lösen, aber die Position der maltesischen Regierung ist sehr klar: Dieses Schiff wird nicht in maltesisches Hoheitsgebiet einfahren“, sagte Mallia in Valletta. Der Minister warf dem Kapitän vor, internationales Recht missachtet zu haben. Nach der Bergung der Flüchtlinge aus dem Mittelmeer hätte er diese in den nächstgelegenen sicheren Hafen bringen müssen. Dies sei Tripolis in Libyen gewesen.

(kna/lek)

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