„Die Jugendlichen erlebten eine junge und lebendige Kirche“

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  • Rio de Janeiro - 29.07.2013

Sechs Tage lang wurde in Rio de Janeiro gefeiert, gebetet und gesungen: Mit einem feierlichen Abschlussgottesdienst am Strand von Copacabana ging der 28. Weltjugendtag am gestrigen Sonntag zu Ende. Am internationalen Glaubenstreffen teilgenommen hat auch Jugend-Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Im Interview mit dem Internetportal Weltkirche berichtet er von seinen Eindrücken und erklärt, wie der neue Papst Franziskus den Weltjugendtag in Brasilien geprägt hat.

Frage: Als Lateinamerikaner kennt der Papst die Ängste und Nöte der Menschen in Brasilien. Wie prägte das den Weltjugendtag?

Wiesemann: Man spürte die Zuneigung der Lateinamerikaner zu „ihrem Papst“ und umgekehrt. Gleichzeitig ging Franziskus dorthin, wo – wie er bereits mehrfach gesagt hat – der „Rand der Gesellschaft“ ist, die Ausgeschlossenen: Strafgefangene, Favela-Bewohner und Drogenabhängige in einem Krankenhaus. Er spricht Realitäten aus, die in diesem Kontinent nicht jeder gerne hören mag. Wenn man das Schlussdokument der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe aus Aparecida im Jahr 2007 kennt und weiß, dass Papst Franziskus daran großen Anteil hatte, dann ist dies für ihn nur konsequent.

Frage: Eine große Veranstaltung, die während des WJT von den Deutschen organisiert wurde, war das International Youth Hearing , dessen Ergebnisse dem Papst präsentiert werden sollen. Wie sehen denn die Resultate aus?

Bischof Karl Heinz Wiesemann mit Jugendlichen beim International Youth Hearing. KNA

Wiesemann: Die Forderung nach Frieden stand im Mittelpunkt. Die Jugendlichen wünschen sich mehr Geld für Bildung und soziale Gerechtigkeit statt für Waffen und Krieg. Sie erhoffen sich kostenfreie Bildung für alle. Und es ist doch wirklich so, dass alle Menschen Zugang zur Bildung haben müssen. Denn Bildung und Arbeit sichern ein selbstbestimmtes Leben. Zudem wünschen sich die Jugendlichen mehr Einsatz für die Umwelt und für nachhaltige Entwicklung, auch von der Kirche. Aber auch Staaten und Regierungen müssen ihre Anstrengungen für nachhaltiges Produzieren und Konsumieren erhöhen, zur Bewahrung von Gottes Schöpfung. Von der Kirche forderten die Jugendlichen mehr Mut zu jugendgerechten Themen und Formen und formulierten den Wunsch nach einer authentischen und ehrlichen Kirche.

Frage: Beim Besuch von Projekten lernten einige deutsche Jugendliche die Probleme der Brasilianer kennen. War das nicht harter Tobak für sie?

Wiesemann: Für einige bestimmt. Aber wann hat man schon die Gelegenheit, sich mit Gottes Auftrag an uns, mit der Nächstenliebe, so ganz direkt zu befassen? Außerdem erlebten die Jugendlichen in Lateinamerika eine junge und lebendige Kirche, andere Formen der Gemeindearbeit sowie eine ganz große Gastfreundschaft in den Familien, in denen sie untergebracht wurden. Gegenseitiges Kennenlernen, Zuhören und gemeinsames Lernen von anderen gehören durch die „Missionarische Woche“, die vor dem Weltjugendtag in zahlreichen Diözesen in Brasilien stattgefunden hat, ganz wesentlich zu den Weltjugendtagen dazu.

Das Interview führte Lena Kretschmann.

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