Pilger heißen Franziskus willkommen

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  • Rio de Janeiro - 26.07.2013

16.00 Uhr am Strand von Copacabana. Dunkle Wolken ziehen über Rio de Janeiro, der Sand ist nass. Strandwetter sieht anders aus. Dennoch sind heute mehr Jugendliche gekommen als an jedem Badetag. In zwei Stunden trifft Papst Franziskus auf dem berühmten Sandstreifen zwischen Zuckerhut und Corcovado-Hügel erstmals die katholische Jugend der Welt. Auf dem Programm des Weltjugendtags steht die Willkommensfeier mit dem Papst, einer der traditionellen Höhepunkte des katholischen Glaubensfestes. Und die Spannung ist diesmal besonders groß: Was erwarten die Teilnehmer des Weltjugendtags in Rio von ihrer ersten Begegnung mit dem neuen Papst?

Die Antworten an der Copacabana sind so unterschiedlich wie die Jugendlichen selbst: Eine „Friedensbotschaft für die Welt“ wünscht sich Antonio aus Rio, der mit einer brasilianischen und bayerischen Fahne zur Willkommensfeier zieht. „Was Persönliches“ von Franziskus erhofft sich Markus aus der Nähe von Düsseldorf. Er sei im Februar bei der letzten Generalaudienz von Benedikt XVI. in Rom gewesen. Da seien ihm die Worte des Papstes nicht persönlich genug gewesen, berichtet der 23-Jährige. Luke, der wie Franziskus gefühlt „vom anderen Ende der Welt“ kommt – in seinem Fall aus Brisbane in Australien – ist wichtig, dass der Papst auf seinen „Spirit“ hört. Er hoffe, so der 27-Jährige, dass Franziskus so bodenständig wie bislang bleibe und sich gegen die Glitzer-und-Glamour-Welt stelle.

„Vertraut auf Jesus“

Was Franziskus von den Jugendlichen erwartet, macht er zwei Stunden später in seiner Ansprache zur Willkommensfeier deutlich: Nicht Besitz, Geld oder Macht dürften im Zentrum ihres Lebens stehen.

Shorty wartet auf den Papst

Shorty am Zuckerhut, Folge 6: Sarah "Shorty" Schortemeyer steht mit all den anderen am Rathaus an, wo die Papst-Kolonne erwartet wird.

Sarah Schortemeyer

Christus müsse den Mittelpunkt bilden, lautete seine geistliche Botschaft an die Jugendlichen. „Setzt in Jesus wieder Vertrauen, und ihr werdet nie enttäuscht.“ Der Glaube bewirke eine Revolution im Menschen, eine „kopernikanische Wende“, so der Papst. Es ist der bislang temperamentvollste Auftritt seiner Reise.

Mit Samba-Klängen und Tanzeinlagen sorgen die Gastgeber trotz der kühlen Temperaturen wenigstens ein bisschen für Copacabana-Feeling. 150 Brasilianer stellen tänzerisch Szenen aus dem Alltagsleben jener Stadt dar, die vielen als eine der schönsten der Welt gilt. Die Jugendlichen schwenken Fahnen und jubeln dem Papst zu. Fünf WJT-Teilnehmer aus allen Kontinenten begrüßen den Papst stellvertretend für die mehreren hunderttausend Altersgenossen, die sich am Strand eingefunden haben.

Franziskus elanvoll und jugendlich

Franziskus wirkt an diesem Abend jugendlicher als sein Vorgänger, ja erinnert in seinem elanvollen Auftreten eher an den frühen Johannes Paul II., den Begründer der Weltjugendtage. Er drückt die fünf Jugendlichen, die ihn begrüßen, kräftig an sich, scherzt mit ihnen und küsst sie auf die Stirn. Die Atmosphäre ist ungezwungen und herzlich.

"Die ganzen Menschenmassen waren unglaublich"

Doris Keil hat zusammen mit dem Hilfswerk Adveniat den WJT-Eröffnungsgottesdienst besucht.

Adveniat

Mit seiner Ansprache knüpft Franziskus an seine früheren Appelle an die Jugendlichen an. „Setzt auf die großen Ideale: jene Ideale, die von Herzen kommen; jene Ideale, die unsere Talente fruchtbar machen“, rief er den Jugendlichen während einer Generalaudienz im April zu. „Die Jungen wollen Großes“, heißt es in seiner ersten Enzyklika, die vor drei Wochen veröffentlicht wurde. Und auch beim Besuch eines Armenviertels am Donnerstagvormittag (Ortszeit) appellierte er vor allem an Brasiliens Jugend. Sie solle sich nicht durch Korruption und Selbstbereicherung in ihrem Umfeld entmutigen lassen und sich weiter für das Gemeinwohl einsetzen.

Und die Jugendlichen – was erwarten sie künftig vom neuen Papst? „Der Heilige Geist weiß schon, was zu tun ist“, meint Paul aus dem polnischen Bialystok. Angela neben ihm hebt spontan den Daumen hoch, als sie nach Franziskus gefragt wird. Aber: Johannes Paul II. und Benedikt XVI. seien auch gute Päpste gewesen, sagt sie. Und Paul aus Genf fasst das, was er vom Papst erwartet, in schlichte zwei Worte: „das Evangelium“.

Von Thomas Jansen

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