Erste Papstenzyklika: „Licht des Glaubens“

  • © Bild: KNA
  • Vatikanstadt - 05.07.2013

Mit Spannung hat man sie erwartet, die "Enzyklika der vier Hände". An diesem Freitag ist "Lumen fidei" ("Licht des Glaubens", Abk.: LF) der beiden Päpste Benedikt XVI. und Franziskus in Rom vorgestellt worden. Auf den ersten Blick ist "Lumen fidei" nicht mit anderen großen Enzykliken vergleichbar, doch ein zweiter Blick lohnt sich.

Da gibt es die Enzyklika "Rerum Novarum" ("Neue Dinge", 1891) von Papst Leo XIII., die sich gegen den Sozialismus wendet und eine kritische Position zur Arbeiterfrage des 19. Jahrhunderts bezieht. Und da ist "Pacem in Terris" ("Über den Frieden auf Erden", 1963) von Johannes XXIII., die zur Zeit der Kubakrise und des Kalten Krieges entstand und die Bedeutung der Menschenrechte unterstreicht.

Glauben im Mittelpunkt

"Lumen fidei", die den Glauben in den Mittelpunkt stellt, ist also scheinbar kein Politikum. Doch nehmen die weltweiten Rundschreiben an die Bischöfe immer zu Fragen und Problemen ihrer Zeit Stellung. Und problematisch scheint den beiden Päpsten in einer Zeit der "Verweltlichung" die Beziehung der Menschen zum Glauben selbst zu sein. Ein Glaube, den Franziskus in der Einleitung als "Licht" bezeichnet, das "wiederentdeckt werden muss" (LF Nr. 4) und das es zu stärken gilt.

Die 86-seitige Enzyklika ist in vier Kapitel mit 60 Abschnitten unterteilt. Schon in der Einleitung zeichnet sich das Programm der Enzyklika ab: Es geht um die Frage nach dem Sinn und Zweck des Glaubens in der heutigen Gesellschaft. Es geht um eine Strahlkraft, die auch heute noch ihre Gültigkeit hat und sich nicht vor den Naturwissenschaft verstecken muss. Vielmehr könne mit Hilfe des Glaubens das Gute vom Bösen, der Weg, der zum Ziel führt von dem unterschieden werden, "der uns richtungslos immer wieder im Kreis gehen lässt", schreibt Franziskus (LF Nr. 3).

Katholisch für Anfänger

Enzyklika? Schon wieder so ein Wort aus dem katholischen Universum, das vielen Menschen nur ein großes Fragezeichen ins Gesicht zaubert. In unserer Serie "Katholisch für Anfänger" erklären wir, was es mit zentralen Begriffen der katholischen Kirche auf sich hat.

Zur Serie

Weitere Inhalte

Mit der Enzyklika wird ein Zyklus abgeschlossen, der noch eng mit Papst Benedikt XVI. verbunden ist. Eng verbunden mit dessen Rundschreiben "Deus caritas est" ("Gott ist die Liebe", 2005), mit "Spe salvi" ("Auf Hoffnung hin gerettet", 2007) und mit "Caritas in veritate" ("Die Liebe in der Wahrheit", 2009). Ebenfalls nicht zu trennen sei die Enzyklika vom Jahr des Glaubens und dem Zweiten Vatikanischen Konzil , die selbst in enger Verbindung stünden, so Papst Franziskus (LF Nr. 6). Das Zweite Vatikanische Konzil habe "den Glauben innerhalb der menschlichen Erfahrung erstrahlen lassen", erklärt Franziskus.

Das erste Kapitel zeigt auf, dass der Glaube als "Annehmen der Liebe Gottes" zu verstehen ist. Es stützt sich auf die biblische Tradition, führt über Abraham (LF Nr. 8 bis 11) zunächst zu Mose und den Israeliten (LF Nr. 12 bis 14) bis es zur kirchlichen Gestalt des Glaubens kommt (LF Nr. 22). Das Bild des Leibes rücken die Päpste dabei in den Mittelpunkt. Dabei gehe es nicht darum, seine Individualität verlieren. Denn "im Dienst an den anderen gewinnt jeder sein eigenes Sein bis ins Letzte".

Franziskus widmet sich aber auch dem Zusammenhang von „Glaube und Verstehen (Kapitel 2). Weil Gott verlässlich ist, entspreche es der Vernunft, an ihn zu glauben. Genauso seien Liebe und nicht voneinander zu trennen. "Ohne Liebe wird die Wahrheit kalt, unpersönlich und erdrückend für das konkrete Leben des Menschen", so Benedikt und Franziskus (LF Nr. 27).

Kapitel 3 befasst sich mit den Sakramenten – Taufe, Firmung und die Eucharistie stehen im Zentrum - und der Weitergabe des Glaubens. Denn wer das "Licht empfangen hat, der kann diese Gabe nicht für sich behalten" (LF Nr. 37). Zur Weitergabe des Glaubens bedürfe es jedoch der Kirche, die "eine Mutter" sei, "die uns lehrt, die Sprache des Glaubens zu sprechen" (LF Nr. 38).

Ich glaube, weil...

Welche Rolle spielt der Glaube in einer Welt, in der Karriere, Leben, Ego oft wichtiger scheinen als Gott? In unserer Serie "Ich glaube, weil..." hat katholisch.de Menschen gefragt, warum sie in einer säkularen Gesellschaft an ihrem Glauben festhalten.

Zur Serie

Weitere Inhalte

Das vierte und letzte Kapitel handelt von zwischenmenschlichen Beziehungen. Um den Glauben und die Liebe, die durch einen verlässlichen Gott für den Menschen zu einer ebenso "verlässlichen Stadt" werden. (vgl. Hebr 11,16). Denn Dank eben seiner (Gottes, Anm. d. Red.) Verbindung mit der Liebe (vgl. Gal 5,6) stellt sich das Licht des Glaubens in den konkreten Dienst der Gerechtigkeit, des Rechts und des Friedens (LF Nr. 51).

Der Glauben entferne nicht von der Welt, sondern mache die Strukturen menschlicher Beziehungen erst einsichtig. Besonders hervorgehoben wird in diesem Kontext noch einmal der Stellenwert von Ehe und Familie (LF Nr. 52). Aber auch die Würde des Menschen werde durch den Glauben und die Liebe gestützt. Durch sie sei Vergebung möglich, "die oftmals Zeit, Bemühen, Geduld und Einsatz benötigt" (LF. Nr. 55).

Mahnung zur Ruhe

Der Schluss stellt die Gottesmutter Maria als besondere Ikone des Glaubens dar, die "Glaube und Freude" empfangen habe, als sie die Botschaft des Engels annahm (Nr. 58). Die Enzyklika schließt – passend zum Thema Glauben – mit einem Gebet an Maria, "die Mutter der Kirche und die Mutter unseres Glaubens" (LF Nr. 60).

Es ist ein Stück Theologie, das "die vier Hände" auf den Weg gebracht haben. Keine große Regime- oder Systemkritik wie bei vielen ihrer Vorgänger, sondern ein Zeugnis des Glaubens, das erinnern und ermutigen soll. Doch darauf kann man "Lumen fidei" nicht reduzieren. Denn aus dem Glauben heraus kann auf gesellschaftliche Missstände, auf den Verfall christlicher Werte hingewiesen werden. Die Enzyklika soll in einer immer hektischer werdenden Welt zu Besinnlichkeit und Ruhe ermahnen.

Von Björn Odendahl

Was ist eine Enzyklika?

Enzykliken sind päpstliche Lehrschreiben von höchstem Rang. In ihnen nehmen Päpste zu grundlegenden theologischen und gesellschaftlichen Fragen in verbindlicher Weise Stellung. Allerdings gelten die Dokumente nicht als "unfehlbar". Gleichwohl sind die Texte Ausdruck der obersten Lehrgewalt des Papstes. Sie wollen nach einer Definition von Papst Pius XII. (1939-1958) ein "Urteil über bislang umstrittene Fragen aussprechen" und diese "der freien Erörterung der Theologen entziehen".

Das Wort Enzyklika kommt vom griechischen Begriff "enkyklios", was "im Kreis laufend" bedeutet. Enzykliken sind also Rundschreiben, sie wenden sich an die ganze Kirche, besonders an die Bischöfe. Ihr Vorläufer waren Apostolische Briefe sowie versiegelten Urkunden (Bullen) sowie andere Formen von Erlassen und förmlichen Bescheiden. Die erste ausdrückliche Enzyklika behandelte 1740 die Amtspflichten von Bischöfen. (dpa)

Weitere Inhalte

© katholisch.de